Anwaltskosten Scheidung – Berechnung, Kostenfaktoren & Beispiel

Eine Scheidung kann mitunter zu einer teuren Angelegenheit werden. Die Gerichtsgebühren müssen gedeckt werden, der Anwalt möchte sein Honorar und zusätzlich können Kosten für weiteren Aufwand (z.B. Gutachter etc.) anfallen. Da ist es verständlich, dass Sie sich im Voraus einen groben Überblick über die auf Sie zukommenden Kosten verschaffen wollen. Nach diesem Beitrag wissen Sie, wie sich die Anwaltskosten einer Scheidung zusammensetzen, wie diese berechnet werden können und welche Möglichkeiten es gibt, bei der Scheidung doch noch ein paar Euro zu sparen. Dabei finden Sie immer wieder einfache Formeln und dazugehörige Beispielrechnungen, in die Sie Ihre Werte (z.B. Gehalt, Miete oder Unterhalt) einsetzen können, um zu einer ungefähren einschätzung der Kosten zu gelangen!

Inhaltsverzeichnis

Anwaltskosten bei einer Scheidung

Kurz und knapp: Ja! Die Scheidungskosten, die bei einer Scheidung für den Anwalt anfallen, setzen sich aus drei mehr oder weniger großen Kostenblöcken zusammen: den Verfahrensgebühr, den Termingebühr und der Auslagengebühr. 

Die Höhe der Anwaltskosten bestimmt sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (Abkürzung: RVG) und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Scheidungskosten. In diesem Gesetz werden die 1,0-fachen Gebühren festgelegt. Je nach Umfang des Verfahrens und der anwaltlichen Tätigkeit wird die Gebühr um einen bestimmten Faktor erhöht.

Im Fall einer Scheidung vor dem Familiengericht wird der Gebührensatz für das Wahrnehmen eines Gerichtstermins mit dem Faktor 1,3 multipliziert. Außergerichtliche Besprechungen bzw. Beratungen werden mit 1,2-facher Gebühr abgerechnet. Die Auslagengebühr beläuft sich auf 20 % des Verfahrenswertes. Bei einer Scheidung wäre das sehr viel, deshalb ist der Betrag, den Sie hier zahlen müssen, auf 20 Euro gedeckelt.

Anwaltskosten vermeiden – geht das?

Tatsächlich können Sie sich die Anwaltskosten nicht einsparen. Eine Scheidung ohne Anwalt ist vom deutschen Gesetzgeber nicht vorgesehen. Der Scheidungsantrag kann nur von einem zugelassenen Rechtsanwalt beim Familiengericht eingereicht werden. Außerdem herrscht im Hauptverfahren (für mindestens eine Partei) Anwaltszwang. Wie Sie die Scheidungskosten dennoch drastisch reduzieren können, erfahren Sie weiter unten…

Berechnung der Anwaltskosten bei einer Scheidung:

Die Anwaltskosten setzen sich aus drei entscheidenden Kostenfaktoren zusammen: die Verfahrensgebühr, die Terminsgebühr und die Auslagengebühr werden abgerechnet. Das Ergebnis dieser Posten muss mit 1,19 multipliziert werden, da auf das Anwaltshonorar 19 % Mehrwertsteuer gezahlt werden müssen – die Gerichtskosten werden nicht besteuert.

Bedenken Sie, dass Sie mit der nun vorgestellten Rechnung nie die Anwaltskosten auf den Cent genau berechnen können. Vor allem der Verfahrenswert ist schwierig zu ermitteln und er bildet die Berechnungsgrundlage für alle weiteren Überlegungen. Sollten Sie eine Scheidung anstreben, so können Sie sich im Voraus mit Ihrem Anwalt über die auf Sie zukommenden Scheidungskosten verständigen. Ein Anwalt weiß aus seinen Erfahrungen und seiner rechtlich kompetenten Einschätzung recht schnell, in welchem Preisrahmen sich die Scheidungskosten bewegen werden. Der Verfahrenswert kann grob durch die folgende Formel berechnet werden:

  • Nettoeinkommen der Ehepartner * 3 + 10 % Versorgungsausgleich = Verfahrenswert als Grundlage für die Ermittlung der Scheidungskosten

Grundlage: Verfahrenswert abschätzen

Wie bereits angedeutet, bestimmt sich die Höhe der Anwaltskosten nach dem Verfahrenswert (auch Streitwert genannt – im Familienrecht ist diese Bezeichnung jedoch nicht einschlägig). Der Verfahrenswert beschreibt den Gegenwert der Aspekte, die im Hauptverfahren verhandelt werden. Um sich einen groben Überblick zu verschaffen, können Sie folgende Formel nutzen:

  • (Nettoeinkommen beider Eheleute)*3 + Versorgungsausgleich = Mindestverfahrenswert

Sollten noch weitere Streitpunkte vom Familiengericht geklärt werden müssen, so erhöht sich der Streitwert. Je mehr Entscheidungen gefällt werden müssen, umso teurer wird die Scheidung für Sie. So fließen beispielsweise Unterhaltsforderungen, materielles Vermögen oder Rechtsunsicherheiten über Mietwohnungen ebenso in den Verfahrenswert ein.

  • Unterhaltsforderungen: erhöhen den Verfahrenswert um das 12-fache der Forderung (1 Jahr Unterhalt)
  • Vermögen: erhöht den Verfahrenswert um das tatsächliche, materielle Vermögen
  • Mietwohnung: erhöht den Verfahrenswert um die 12-fache Monatsmiete (1 Jahr Miete)

Stellen Sie sich vor, Sie und Ihr Ehepartner verdienen jeweils 3.000 Euro im Monat, haben ein gemeinsames Kind (400 Euro Unterhalt) und wohnen gemeinsam in einer Wohnung, die pro Monat 1.100 Euro kostet. Ein Versorgungsausgleich findet nicht statt. Außerdem verfügen Sie über ein Vermögen in Höhe von 20.000 Euro:

  • (3.000 + 3.000)*3 + 12*400 + 12*1.100 + 20.000 Euro = Verfahrenswert
  • 18.000 € + 4.800 € + 13.200 € + 20.000 € = 56.000 € Verfahrenswert

Beachten Sie, dass der Verfahrenswert in der Praxis oftmals etwas geringer ausfällt, da beispielsweise für Kinder pauschal Beträge abgezogen werden können. Der ermittelte Wert bietet lediglich einen groben Anhaltspunkt.

Wie hoch die Gebühr (1,0-fach) nach dem RVG?

Haben Sie den Gegenstandswert / Verfahrenswert ungefähr ermittelt, müssen Sie nur noch die Tabelle aus dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz richtig ablesen. Für unterschiedliche Verfahrenswerte sind jeweils bestimmte Gebühren vom Rechtsanwalt zu erheben. Diese Gebühren entsprechen jedoch nicht automatisch dem, was am Ende auf Ihrer Rechnung steht. Für unterschiedliche anwaltliche Tätigkeiten, wird der Gebührensatz (hier 1,0-fach) mit den jeweils vorgesehenen Faktoren multipliziert. Aber eins nach dem anderen: in unserer Tabelle haben wir exemplarisch unterschiedliche Streitwerte ausgewählt. Die eigentliche Tabelle aus dem RVG ist umfangreicher und kann hier eingesehen werden:

Verfahrenswert / Gegenstandswert bis… Gebühr für den Rechtsanwalt
1.000 Euro88,00 €
1.500 Euro127,00 €
5.000 Euro 334,00 €
7.000 Euro 446,00 €
10.000 Euro 614,00 €
13.000 Euro 666,00 €
16.000 Euro718,00 €
19.000 Euro770,00 €
22.000 Euro822,00 €
25.000 Euro874,00 €
30.000 Euro955,00 €
35.000 Euro1.036,00 €
40.000 Euro1117,00 €
45.000 Euro1.198,00 €
50.000 Euro1.279,00 €
65.000 Euro1.373,00 €
80.000 Euro1.467,00 €
95.000 Euro1.561,00 €
110.000 Euro1.655,00 €
500.000 Euro3.539,00 €

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Berechnung der Verfahrensgebühr bei Scheidung

Die Verfahrensgebühr wird mit dem Gebührensatz 1,3-fach abgerechnet. Was wissenschaftlich klingt, bedeutet nur, dass Sie den Wert, den Sie aus der Tabelle an Hand Ihres Gegenstandswertes abgelesen haben, mit 1,3 multiplizieren müssen. Rechtlich fixiert ist dies in §13 RVG in Verbindung mit Anlage 2. Bleiben wir bei dem oben begonnen Beispiel, so ergibt beträgt die 1,0-fache Gebühr bei einem Verfahrenswert von 56.000 Euro genau 1.373,00 Euro.

  • 1.373,00 € * 1,3 = 1.784,90 Euro Verfahrensgebühr

Berechnung der Termingebühr bei Scheidung

Die Termingebühr funktioniert von der Methode der Berechnung genau wie die Verfahrensgebühr. Der einzige Unterschied ist, dass hier nicht mit 1,3 multipliziert wird, sondern der 1,2-fache Gebührensatz angesetzt wird. Also:

  • 1.373,00 € * 1,2 = 1.647,6 Euro Termingebühr

Berechnung der Auslagengebühr und Summe

Die Auslagengebühr beläuft sich auf 20 % des Verfahrenswertes. Das wären in diesem Fall 11.200 Euro. Das ist natürlich deutlich zu viel und deshalb ist die Zahlung hier auf 20 Euro gedeckelt. Diese soll sicherstellen, dass die Kosten für Kommunikation, Versand oder Material vor allem bei Verfahren, die weniger hoch in der Rechtsanwaltsgebührenordnung einzuordnen sind, gedeckt werden. In diesem Fall wird also lediglich der Höchstsatz von 20 Euro abgerechnet. Nun müssen Sie diese drei Kostenfaktoren addieren und schon haben Sie einen Anhaltspunkt für die auf Sie zukommenden Anwaltskosten der Scheidung:

  • 1.784,90 + 1.647,60 + 20 = 3.452,50 Euro Anwaltskosten in unserem Beispielfall.
  • Achtung: Vergessen Sie nun nicht die Mehrwertsteuer einzurechnen.
  • 3.452,50 Euro * 1,19 = 4.108,48 Euro inkl. MwSt.

Kosten für den Scheidungsanwalt berechnen – Beispiel:

Was bisher komplex geklungen hat, lässt sich anhand eines weiteren, einfachen Kosten Beispiels noch einfacher und besser verstehen. Gehen Sie nun davon aus, dass beide Ehegatten 2.000 Euro netto pro Monat verdienen und es im Zuge der Scheidung nicht zu einem Versorgungsausgleich kommt. Gleichzeitig bestand während der Ehe eine gemeinschaftlich genutzte, eheliche Wohnung. Wer in dieser Wohnung verbleiben darf, ist unklar und muss vom Gericht entschieden werden. Die Monatsmiete beläuft sich auf 1.000 Euro pro Monat.

Schritt 1: Verfahrenswert überschlagen

Nochmal zur Erinnerung: 3 Monatseinkommen / Nettoeinkommen (beider Eheleute) + Versorgungsausgleich. Der Versorgungsausgleich ist in diesem Fall 0. Sollte der Versorgungsausgleich vor Gericht zum Streitpunkt werden, so macht dieser 10 % des Verfahrenswertes aus. Sollte sich der Verfahrenswert auf weniger als 10.000 Euro belaufen, so wird der Versorgungsausgleich pauschal mit 1.000 Euro veranschlagt.

  • 2.000 Euro von Ehepartner 1 + 2.000 Euro von Ehepartner 2 = 4.000 Euro Nettoeinkommen pro Monat
  • 4.000 Euro * 3 = 12.000 Euro Nettoeinkommen innerhalb von drei Monaten (ein Quartal)
  • Zum Verfahrenswert gehört auch der Streit über die Mietwohnung. Dabei muss die Monatsmiete auf ein Jahr hochgerechnet werden: 1.000 Euro * 12 Monate = 12.000 Euro.
  • Verfahrenswert beläuft sich auf: 12.000 + 12.000 Euro = 24.000 Euro.

Schritt 2: Verfahrensgebühr, Termingebühr und Auslagengebühr berechnen

Lesen Sie den Wert aus der Tabelle oben ab. Hier beträgt der 1,0-fache Gebührensatz 874 Euro. Dieser muss nun mit 1,3 multipliziert werden:

  • 874 Euro * 1,3 = 1.136,20 Euro Verfahrensgebühr, die an den Anwalt gezahlt werden muss.

Dazu kommt die Termingebühr mit dem Faktor 1,2:

  • 874 Euro * 1,2 = 1.048,00 Euro Termingebühr, die an den Anwalt gezahlt werden muss.

Weiterhin wird auch hier der Höchstsatz für die Auslagengebühr fällig. Dieser beläuft sich auf 20 Euro.

Schritt 3: Alle Werte addieren und die Mehrwertsteuer einrechnen

Im letzten Schritt müssen nun die einzelnen Gebühren zusammengenommen werden:

  • 1.136,20 Euro + 1.048,80 Euro + 20,00 Euro = 2.205 Euro Anwaltskosten für die Scheidung insgesamt
  • Nun noch die Mehrwertsteuer einberechnen:
  • 2.205 * 1,19 = 2.623,95 Euro

Das sind die Anwaltskosten, die schlussendlich von Ihrem Rechtsanwalt für die Scheidung abgerechnet werden. Bedenken Sie stets, dass die Berechnung der Anwaltskosten für die Scheidung von Ihren individuellen Umständen abhängt. Zuverlässig können Sie die Scheidungskosten also erst dann einschätzen, sobald Sie sich mit Ihrem Anwalt über Ihre Situation verständigt haben! Der klärt Sie auch darüber auf, welche Gerichtskosten im Zuge des Scheidungsverfahren auf Sie und Ihren Ehepartner zukommt.

Welche Kosten neben den Anwaltskosten bei der Scheidung an?

Die Scheidungskosten setzen sich aus unterschiedlichen Kostenfaktoren zusammen. Die Wichtigsten sind: die Anwaltskosten, die Gerichtskosten sowie die Anfahrtskosten. Anwaltskosten und Gerichtskosten bemessen sich an Hand des Verfahrenswertes. Dementsprechend kommt es entscheidend darauf an, über welchen Gegenwert im Verfahren verhandelt werden soll. Wie Sie den Verfahrenswert abschätzen können, wissen Sie ja nun. Daneben werden ggf. vom Gericht oder in einer persönlichen Besprechung mit dem Anwalt Anfahrtskosten festgelegt. Diese Fallen jedoch im Vergleich zu den restlichen Kostenpunkten gering aus.

Wie lassen die Scheidungskosten senken?

Die Anwaltskosten können per se nur schwierig gesenkt werden, da sich das Honorar, welches der Anwalt für die Scheidung erhält, gesetzlich geregelt und festgelegt ist. Ein Anwalt dürfte – selbst wenn er wollte – nicht kostenlos arbeiten bzw. die Gebühren reduzieren. Das würde den Wettbewerb verzerren und zu einem unlauteren Preiskampf zwischen den Anwälten führen.

Die beste Option bei der Scheidung Geld einzusparen, ist eine einvernehmliche Scheidung anzustreben. Unter der einvernehmlichen Scheidung versteht man ein Scheidungsverfahren, in welchem nicht mehr über Scheidungsfolgen gestritten wird (z.B. Unterhalt für das Kind / die Kinder). Auf Antrag kann der Verfahrenswert bei einer einvernehmlichen Scheidung um bis zu 30 % reduziert werden. Jegliche Streitigkeiten, die offiziell vor Gericht geklärt werden müssen, führen dazu, dass der Verfahrenswert ansteigt und somit auch mehr Gerichtsgebühren und Anwaltskosten gedeckt werden müssen. Einigen Sie sich also – wenn möglich – privat. Eine einvernehmliche Scheidung hat außerdem den Vorteil, dass Sie nur einen Anwalt benötigen. Dieser Anwalt kann zwar nicht beide Parteien vor Gericht gleichzeitig vertreten, sind jedoch alle Scheidungsfolgen geklärt, ist es nicht notwendig, dass beide Parteien anwaltlich vertreten werden.

Wie kann ein Anwalt helfen?

Die Frage: beauftrage ich einen Anwalt oder nicht, stellt sich im Falle einer anstehenden Scheidung nicht. Sie brauchen einen Anwalt, um sich scheiden zu lassen. Dieser unterstützt Sie bei der Regelung der Scheidungsfolgen, damit es am Ende des Scheidungsverfahrens zu einer Einigung kommt, die für alle Beteiligten zufriedenstellend ist. Darüber hinaus beantwortet Ihr Anwalt für Familienrecht alle Ihre Fragen und kann rechtlich versiert auf die individuellen Besonderheiten Ihrer Scheidung bzw. Ihre Umstände eingehen. Eine Scheidung ist eine höchstpersönliche und nicht selten heikle Angelegenheit, weshalb hier das Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant besonders wichtig ist. 

Um schlussendlich bei der Scheidung kosten einsparen zu können, kann der Anwalt Ihnen auch helfen, sich mit Ihrem Ehegatten zu einigen. Viele Anwälte für Familienrecht bieten Mediation an – dabei handelt es sich um ein geführtes Streitgespräch, um bei Konflikten eine einvernehmliche Regelung zu finden. Wie Sie bereits eben erfahren haben, können Sie durch eine einvernehmliche Scheidung eine Menge Geld sparen. Bedeutet konkret, dass Sie Aspekte wie Unterhalt für das Kind / die Kinder und ähnliches, außerhalb des Gerichts klären. Sollten Sie sich bezüglich der auf Sie zukommenden Anwaltskosten unsicher sein, können Sie im Voraus mit Ihrem Anwalt sprechen.

 Meist wird ein erstes Beratungsgespräch kostenlos angeboten. Nachdem der Verfahrenswert ungefähr ermittelt wurde, wird Ihnen Ihr Anwalt eine erste Einschätzung der Scheidungskosten geben können. Da die Anwaltskosten neben den Gerichtskosten der größte Kostenfaktor ist, macht es schnell einen Unterschied von tausenden Euro, ob Sie nur einen oder zwei Anwälte bezahlen müssen.

Fragen zu den Anwaltskosten?
Unsere Experten für Scheidungs- und Familienrecht informieren Sie ausführlich zu den anfallenden Anwaltskosten Ihrer Scheidung und beraten Sie zudem, zu den Möglichkeiten der Prozesskostenhilfe.

FAQ: Anwaltskosten Scheidung

Tatsächlich ist es in Deutschland nicht möglich sich ohne einen Anwalt scheiden zu lassen. Das hat den Grund, dass der Scheidungsantrag nur von einem zugelassenen Rechtsanwalt beim Familiengericht eingereicht werden kann. Sie oder Ihr Ehegatte als Privatperson sind dort für eine Scheidungssache nicht antragsberechtigt. Weiterhin herrscht im Hauptverfahren der Scheidung Anwaltszwang. Mindestens eine der beiden Parteien muss also anwaltlich vertreten sein. Zu den Anwaltskosten kommen die Gerichtskosten hinzu. Besonders wenn bei gemeinsamen Kindern kann ein Scheidungsverfahren schnell sehr umfangreich und komplex werden. Hier ist es wichtig, dass sich die Ehepartner zum Wohle der Kinder einigen.

Ja, eine Scheidung vor dem Familiengericht stellt keinen Prozess, sondern ein Verfahren dar. Damit Ihnen Verfahrenskostenhilfe bewilligt wird, müssen grundsätzlich zwei Voraussetzungen vorliegen: Sie sind bedürftig bzw. können die Scheidungskosten nicht aus eigener Tasche zahlen und das Scheidungsverfahren hat Aussicht auf Erfolg. Letzteres ist beispielsweise dann nicht der Fall, wenn das Trennungsjahr nicht eingehalten wurde. In diesem Fall würden Sie keine Verfahrenskostenhilfe bekommen.

Man unterscheidet zwischen zwei Varianten bei der Verfahrenskostenhilfe: entweder Sie bekommen den Zuschuss, ohne dass der Staat ein Recht darauf hat, das Geld im Nachgang einzufordern (selten) oder Sie bekommen ein zinsfreies Darlehen gewährt, welches Sie zurückzahlen müssen, sollte sich Ihre finanzielle Situation innerhalb von vier Jahren verbessern.

In der Praxis wird zumeist eine Vereinbarung getroffen, dass beide Ehegatten die Scheidungskosten zur Hälfte übernehmen. Das ist fair – in einem Prozess muss diejenige Partei, die vor Gericht nicht Recht bekommen hat, die gesamten Kosten tragen. Die Kosten, die bei der Scheidung entstehen, teilen sich in unterschiedliche Faktoren auf: der Antragsteller zahlt die eigenen Anwaltskosten und den Vorschuss auf die Gerichtsgebühren. Später werden die Kosten vom Gericht festgelegt und nach dem Urteilsspruch (rechtskräftiges Scheidungsurteil) werden die restlichen Gerichtsgebühren und die jeweiligen anderen Kosten fällig, die jeweils zur Hälfte getragen werden.

Ein Beitrag der juristischen Redaktion
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