Scheidung einreichen – Voraussetzung, Ablauf & Kosten

Wer sich endgültig für die Trennung von seinem Ehepartner entscheidet, der wird sich über kurz oder lang mit dem Thema “Scheidung einreichen” beschäftigen müssen. Denn so schnell der Entschluss zur Scheidung manches Mal auch gefasst sein mag, es gilt klare Voraussetzungen zu erfüllen, um eine Scheidung beantragen zu können und somit den Scheidungsprozess einzuleiten. Im nun folgenden Artikel erfahren Sie welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie der Ablauf der Beantragung aussieht und mit welchen Kosten das Einreichung der Scheidung verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis

Scheidung einreichen – Rechtslage & Grundsätzliches

Die Auflösung einer Ehegemeinschaft, ist in Deutschland an klare und eindeutige Rechtsvorgaben gebunden. Was der Volksmund gerne als Scheidungsrecht bezeichnet, ist in unterschiedlichen Rechtsgrundlagen festgelegt. So gibt zum Beispiel der § 1565 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vor, wann eine Ehe als gescheitert gilt. Diese Rechtsgrundlage ist die Grundlage um eine Scheidung einreichen zu können. Denn erst wenn die Ehe als gescheitert angesehen wird und die Trennung der Eheleute durch das sogenannte Trennungsjahr nachweisbar erfolgte, kann die Ehe offiziell vor dem Familiengericht geschieden werden.

Anwaltspflicht – Kein Scheidungsantrag ohne Anwalt!

Da Ehen grundsätzlich nur durch das zuständige Familiengericht aufgelöst werden können und in Deutschland gemäß § 114 Abs. 1 FamFG vor Gericht ein Erfordernis dazu besteht, von einem Anwalt vertreten zu werden, ist es grundsätzlich nicht möglich, den Scheidungsantrag eigenständig beim zuständigen Familiengericht einzureichen. Vom Zeitpunkt der Einreichung des Scheidungsantrags bis hin zur Verhandlung des Antrags vor Gericht, ist die anwaltliche Vertretung zwingend vorgesehen.

Vorteile der anwaltlichen Vertretung im Überblick

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Scheidung einreichen – Welche Voraussetzungen gibt es?

Wie bereits erwähnt, ist das Einreichen der Scheidung ohne Anwalt nicht möglich. In Deutschland besteht für ein scheidungswilliges Ehepaar daher Anwaltspflicht. Besteht Einvernehmen zwischen den Ehegatten, dann ist es zudem möglich lediglich einen Anwalt für beide Ehegatten zu wählen. Bei einer strittigen Scheidung benötigen beide Ehepartner einen Anwalt für Familienrecht. Doch neben einer Anwaltspflicht müssen die Betroffenen noch weitere Aspekte beachten. Hierzu zählen mitunter:

  • die Ehe muss gescheitert sein
  • das Trennungsjahr muss vollzogen sein
  • die nötigen Unterlagen müssen dem Antrag beiliegen
  • der Scheidungsantrag muss beim zuständigen Familiengericht eingereicht werden

Doch natürlich sieht das Gesetz für besondere Umstände Ausnahmen von diesem Ablauf vor. Im Falle einer sogenannten Härtefallscheidung muss zum Beispiel gemäß §1565 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) nachgewiesen werden, dass die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller eine unzumutbare Härte darstellt.

Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres einreichen?

Wer die Scheidung einreichen möchte, muss bis zum Ablauf des Trennungsjahres warten. Dies ist Voraussetzung, um einen Scheidungsantrag einzureichen. Der Scheidungsanwalt reicht den Scheidungsantrag meist 3 Monate vor Ablauf der Trennungszeit ein und kalkuliert somit Wartezeiten ein. Allerdings kann diese Vorgehensweise mit einem Risiko verbunden sein, da der Scheidungsantrag rein formal nicht schlüssig ist, da bei Antragstellung nicht alle Voraussetzungen erfüllt wurden.

Hierbei ist Vorsicht geboten, denn das Familiengericht kann den Antrag zurückweisen, wodurch wiederum zusätzliche Kosten für ein Berufungsverfahren entstehen. Ein weiteres Manko ist, dass durch das verfrühte Einreichen der Scheidung kein Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe mehr besteht. Um die Kosten für die Scheidung möglichst gering zu halten, sollten Sie daher unbedingt bis zum Ablauf des Trennungsjahres warten.

Sonderfall: Scheidung einreichen ohne Trennungsjahr

Per Gesetz kann eine Scheidung erst dann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Doch was bedeutet letztendlich eine gescheiterte Ehe? Nach deutschem Recht wird das Scheitern einer Ehe anhand des Zerrüttungsprinzips erklärt. Dieses besagt, dass eine Ehe gescheitert ist, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und man einen Fortbestand nicht erwarten kann. Anders als in anderen Ländern spielen hierbei die Gründe für das Scheitern oder eine Schuldzuweisung keine Rolle. Da die Gründe für das Scheitern einer Ehe vielfältig sein können und unter Umständen eine Wiederherstellung der Ehe möglich ist, wird das Trennungsjahr als Maßstab herangezogen. Nach Ablauf des Trennungsjahres geht der Gesetzgeber davon aus, dass die Ehe endgültig gescheitert ist.

Demzufolge ist es nicht möglich, eine Scheidung einzureichen, ohne ein Trennungsjahr zu vollziehen, es sei denn es liegen schwerwiegende Gründe vor. Eine Scheidung einreichen ohne Trennungsjahr eingehalten zu haben, ist daher nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Für die sogenannte Härtefallscheidung müssen gewichtige Gründe vorliegen, die ein Fortbestehen der Ehe unzumutbar machen.

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Nötige Unterlagen für den Scheidungsantrag

Grundsätzlich gilt, das natürlich auch für einen Scheidungsantrag gewisse Unterlagen beigefügt werden müssen, um das eingereichte Scheidungsbegehren zu begründen und somit die Einleitung des Scheidungsverfahrens zu ermöglichen. Je nach individueller Rechtslage wird der beauftragte Anwalt mitunter folgende Unterlagen für die Beantragung der Scheidung benötigen:

  • Heiratsurkunde
  • Geburtsurkunde der Kinder
  • Scheidungs­folgen­vereinbarung oder Ehevertrag
  • Formulare zur Beantragung des Versorgungsausgleichs

Zu den obigen Unterlagen, sind beim Einreichen der Scheidung auch persönliche Angaben der Ehegatten notwendig. Beispielsweise muss aus dem Scheidungsantrag auch der letzte gemeinsame Wohnsitz, der Lebensmittelpunkt der gemeinsamen Kinder und wann bzw. wie die Trennung stattfand ersichtlich sein.

Zuständigkeit: Wo muss die Scheidung eingereicht werden?

Der Scheidungsantrag kann nicht bei einem beliebigen Amtsgericht eingereicht werden, daher stellt sich die Frage wo reiche ich die Scheidung ein? Für eine Scheidung ist prinzipiell das Familiengericht zuständig. Die Rangfolge der Zuständigkeit des zuständigen Familiengerichts bestimmt §122 des Familienverfahrensgesetz. Welches Gericht für Ihre Scheidung zuständig ist, hängt vom letzten gemeinsamen Wohnsitz ab.

  • Leben die beiden Ehegatten innerhalb der Ehewohnung getrennt voneinander, ist das örtliche Familiengericht des Wohnsitzes zuständig.
  • Leben beide Ehepartner an unterschiedlichen Wohnorten und haben keine Kinder, dann ist der Bezirk des gewöhnlichen Aufenthalts des Antraggegners entscheidend. Liegt kein Wohnort vor, dann ist der Wohnort des Antragstellers ausschlaggebend.
  • Sind gemeinsame Kinder vorhanden, dann ist das Gericht des entsprechenden Wohnsitzes zuständig. Ein Grund hierfür ist die Einbindung des Jugendamts.
  • Lässt sich die Zuständigkeit nicht eindeutig bestimmen oder begründen, dann ist das Amtsgericht Berlin-Schöneberg zuständig.
  • Befindet sich einer oder beide Ehegatten im Ausland oder ist ausländischer Staatsbürger, richtet sich die Zuständigkeit für den Scheidungsfall nach der Europäischen Union. Hiernach können die Eheleute das für das Verfahren maßgebliche Recht wählen (gemeinsamer gewöhnlicher oder letzter gewöhnlicher Aufenthalt).

Kosten der Beantragung

Durch die Einreichung des Scheidungsbegehrens wird das eigentliche Scheidungsverfahren eingeleitet, wodurch Kosten entstehen. Grundsätzlich unterteilen sich diese Kosten für die Beantragung der Scheidung wie folgt:

  • Gerichtskostenvorschuss
  • Anwaltskosten

Das Familiengericht verlangt in der Regel vorab beim Einreichen der Scheidung einen sogenannten Gerichtskostenvorschuss, der einen Teil der zu erwartenden Gerichtskosten deckt. Hat der Antragsteller Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe, dann entfällt dieser Vorschuss. Der Anwalt für die Scheidung wird den Antragsteller daher beim Einreichen der Scheidung zum Zahlen des Gerichtskostenvorschusses und in der Regel einen Kostenvorschuss für seine Tätigkeit auffordern.

So kann Sie ein Anwalt für Familienrecht unterstützen!

Die Entscheidung eine Scheidung einzureichen und sich endgültig vom Ehegatten zu trennen ist nicht leicht, umso wichtiger ist es zu wissen welche Schritte für die Beantragung notwendig sind. Voraussetzung für die Einreichung einer Scheidung in Deutschland, ist das Heranziehen eines Familienrechtsanwalts. Ehen können hier nur auf Antrag eines oder beider Ehegatten und durch den Beschluss des Familiengerichts geschieden werden. Für eine einvernehmliche Scheidung muss dabei zumindest ein Rechtsberater für Familienrecht eingesetzt werden.

Wird sich ein Ehepaar nicht einig ist es ratsam, dass beide Parteien Familienrechtsanwälte für die Regelungen um Sorge- und Unterhaltspflicht sowie Vermögensaufteilungen engagieren. Diese verhandeln Scheidungsaspekte und berücksichtigen die Ansprüche Ihrer Mandanten. Zusätzlich kann ein Anwalt für Familienrecht die Kosten für die Scheidung durch eine Scheidungsfolgevereinbarung reduzieren.

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FAQ: Scheidung einreichen

Laut BGB muss bei beiderseitigem Einverständnis zumindest ein Trennungsjahr absolviert werden, bis die Scheidung eingereicht werden kann. Gegen den Will eines Ehegatten, kann die Scheidungseinreichung nach 3 Jahren der Trennung erfolgen. Im nächsten Schritt muss ein Fachanwalt für Familienrecht beauftragt werden, der wiederum den Antrag auf Scheidung beim zuständigen Familiengericht stellt. Sobald dieses den Antrag bearbeitet hat, müssen beide Ehepartner das Formular zum Versorgungsausgleich ausfüllen. Zum Gerichtstermin müssen die Parteien persönlich erscheinen und haben anschließenden einen Monat Zeit, der Scheidung zuzustimmen oder Einspruch zu erheben.
Im Zuge einer Scheidung entstehen Ansprüche auf Unterhalt, Versorgungsausgleich und gegebenenfalls auch das Recht auf Zugewinnausgleich. Darüber hinaus bedarf das gemeinsame Vermögen der Auseinandersetzung. Entsprechende Regelungen werden anhand eines Ehevertrags oder einer Scheidungsfolgenvereinbarung festgelegt. Liegen solche Abmachungen nicht vor, greift das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) für den jeweiligen Einzelfall.
Kommt man während der Trennungsphase darauf, dass die Scheidung vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung ist, kann man das Scheidungsverfahren ruhen lassen. In einer Maximaldauer von einem Jahr, kann der Scheidungsantrag daraufhin zurückgezogen oder das Scheidungsverfahren wieder aufgenommen werden.
Ein geprüfter Beitrag der juristischen Redaktion
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Juristische Prüfung: Juristin Marieke Stöcker-Pritz​

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