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Scheidung in Deutschland – Die wichtigsten Fragen und Antworten!

  • Juristische Prüfung: Juristin Marieke Stöcker-Pritz
Mann und Frau schauen ernst und traurig
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Eine Scheidung von verheirateten Partnern hat gegenüber einer Trennung nicht verheirateter Partner viele Auswirkungen.

Im Folgenden haben wir Ihnen die wichtigsten Themen zusammengestellt. Was braucht man alles für eine Scheidung? Wie schnell ist eine Scheidung? Wie viel kostet eine Scheidung? Und wer zahlt überhaupt die Scheidung?

In fast allen Fällen macht es Sinn ein Erstgespräch bei einem Anwalt zu vereinbaren. Dieser klärt Sie über den Scheidungsantrag auf und wie man die Scheidung einreicht. Was ist beim Trennungsjahr zu berücksichtigen und was ist der Versorgungsausgleich bei der Scheidung?

Inhaltsverzeichnis

Scheidung einreichen

Wer sich scheiden lassen möchte, muss zunächst die Scheidung einreichen. Hierbei ist ein Scheidungsantrag notwendig, bei welchem einige Punkte beachtet werden müssen. Wer die Scheidung richtig einreicht, sorgt einerseits für einen reibungsloseren Ablauf einer Scheidung und kann andererseits auch Scheidungskosten sparen.

Wie kann ich eine Scheidung beantragen?

In Deutschland kann eine Scheidung nur durch einen Scheidungsantrag und mithilfe eines Anwalts beantragt werden. Dieser reicht den Antrag nach Ablauf des Trennungsjahrs beim zuständigen Familiengericht ein.

Was ist ein Scheidungsantrag?

Mit dem Scheidungsantrag wird die Scheidung bei Gericht eingereicht. Der Inhalt des Scheidungsantrags ist gesetzlich geregelt und muss folgende Aspekte beinhalten: 

  • Bei gemeinsamen Kindern müssen die Namen, der gewöhnliche Aufenthaltsort und die Geburtsdaten der Kinder aufgenommen werden. 
  • Die Ehepartner müssen eine Erklärung abgeben, ob sie die Scheidungsfolgen (Sorgerecht, Umgangs- und Kontaktrecht, Ehegattenunterhalt, Ehewohnung, Hausrat) geregelt haben. 
  • Ferner müssen Angaben darüber gemacht werden, ob Familiensachen bei einem anderen Familiengericht anhängig sind. 

Wie reiche ich eine Scheidung ein?

Die Scheidung kann nach dem Trennungsjahr durch das Einreichen des Scheidungsantrags von einem der beiden Ehegatten in die Wege geleitet werden. In Deutschland besteht hierfür Anwaltspflicht, daher muss ein Anwalt den Scheidungsantrag beim Familiengericht einreichen. Wie der Ablauf der Scheidung sich genau gestaltet, ist abhängig davon, ob es sich um eine einvernehmliche oder strittige Scheidung handelt.

Sind sich die Ehepartner über die Scheidungsfolgen einig, kann die Ehe im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidung kostengünstig geschieden werden. Eine strittige Scheidung ist mit höheren Scheidungskosten verbunden. Wer einen Mittelweg finden möchte, sollte die Mediation als Alternative wählen. 

Welche Schritte gibt es um die Scheidung einzureichen?

Folgende Schritte zeigen Ihnen, wie Sie eine Scheidung einreichen können.

  1. Vereinbaren Sie einen Termin für ein Erstgespräch beim Anwalt für Familienrecht.

2. Lassen Sie den Scheidungsanwalt den Scheidungsantrag erstellen.

3. Der Rechtsanwalt reicht für Sie den Scheidungsantrags ein. 

4. Begleichen Sie die Gerichtskosten frühzeitig, damit das zuständige Gericht mit der Bearbeitung Ihres Scheidungsfalls beginnt.

5. Gerichtstermin abwarten. Der Ladungstermin wird über den Anwalt übermittelt.

6. Es erfolgt der Scheidungstermin und Beschluss durch das Gericht.

7. Nach Ablauf einer Frist von 6 Wochen erhalten die Ehegatten den rechtskräftigen Scheidungsbeschluss.

Wo Scheidung einreichen?

Es ist nicht möglich, den Scheidungsantrag bei einem beliebigen Amtsgericht einzureichen. Für den Scheidungsantrag ist das Familiengericht in Deutschland zuständig. Um welches Gericht es sich dabei genau handelt, kann unter Umständen abhängig sein vom letzten gemeinsamen Wohnsitz des Ehepaars.  

  • Leben die beiden Eheleute innerhalb der Ehewohnung getrennt voneinander, ist das örtliche Familiengericht des Wohnsitzes zuständig.
  • Leben beide Ehegatten an unterschiedlichen Wohnsitzen und haben sie keine Kinder, dann ist der Bezirk des gewöhnlichen Aufenthalts des Antraggegners wichtig. Liegt kein Wohnort vor, dann ist der Wohnort des Antragstellers ausschlaggebend.
  • Hat das Ehepaar gemeinsame Kinder, dann ist das Familiengericht des Wohnsitzes der Kinder zuständig, da das Jugendamt eingebunden wird. 
  • Kann die Zuständigkeit nicht eindeutig bestimmt werden, ist das Amtsgericht Berlin-Schöneberg zuständig.
  • Hält sich einer oder beide Ehegatten im Ausland auf oder ist einer der beiden ausländischer Staatsbürger, richtet sich die Zuständigkeit für den Scheidungsfall grundsätzlich nach dem Recht der Europäischen Union. Die Eheleute können das für das Verfahren maßgebliche Recht wählen.

Welche Scheidungspapiere benötige ich?

Bei einer Scheidung müssen auch spezielle Scheidungsunterlagen eingereicht werden. Zu den Scheidungspapieren gehören beispielsweise die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden der Kinder. Um die Scheidung einreichen zu können, benötigen Sie folgende Unterlagen: 

  • Heiratsurkunde: Entweder im Original oder als amtlich beglaubigte Abschrift. Beim zuständigen Standesamt können Sie kostenpflichtig eine Heiratsurkunde nachfordern. In manchen Fällen reicht auch ein Auszug aus dem Familienstammbuch.
  • Geburtsurkunde der Kinder: Im Original oder als beglaubigte Abschriften.
  • Scheidungs­folgen­vereinbarung oder Ehevertrag: Sofern vorhanden, sind die Belege zu einvernehmlichen und individuellen Vereinbarungen beizulegen. Eine Scheidungs­folgen­vereinbarung kann bereits vor dem Scheidungstermin erstellt werden.
  • Vollmacht: Sie muss für den Scheidungsanwalt erstellt werden, damit dieser Sie vor Gericht voll handlungsfähig gesetzlich vertreten kann.
  • Formulare zur Beantragung des Versorgungsausgleichs.
  • ggf. Verfahrenskosten­hilfe­antrag inklusive Gehaltsbelege, Nachweise über Verbindlichkeiten und Mietvertrag.

Beachten Sie bitte, dass die Scheidungspapiere entweder persönlich oder postalisch dem Anwalt übergeben werden müssen. 

Welches Datum zählt bei der Scheidung?

Wer die Scheidung einreichen möchte, muss bis Ablauf des Trennungsjahrs warten. Hierbei zählt das Datum, an welchem die eheliche Lebensgemeinschaft aufgelöst wurde. Der Scheidungsanwalt kann den Scheidungsantrag meist 3 Monate vor Ablauf des zwölfmonatigen Trennungsjahrs einreichen. Sobald die Ehe vom Familiengericht geschieden wurde, sendet es den Beschluss an die Eheleute.

Wie schnell kann man sich wieder scheiden lassen?

Im Grunde genommen kann man heiraten und sich bereits nach einem Jahr wieder scheiden lassen, sofern die Ehe nicht aus anderen Gründen als ungültig erklärt wurde. Allerdings muss das Trennungsjahr von 12 Monaten eingehalten werden, bevor ein Scheidungsantrag gestellt werden kann. Sind sich die Eheleute über die Scheidungsfolgen einig, ist eine einvernehmliche Scheidung bereits nach 4-6 Monaten vollzogen.

Wie lange ist bei einer Scheidung das Trennungsjahr?

Das Trennungsjahr beträgt in Deutschland 12 Monate bzw. 1 Jahr, sodass die Scheidung nicht vor Ablauf dieser Frist eingereicht werden kann. Nur bei besonderen Härtefällen kann das Trennungsjahr verkürzt und der Scheidungsantrag früher eingereicht werden. 

Kann man sich ohne Trennungsjahr scheiden lassen?

Grundsätzlich kann man sich in Deutschland nicht ohne das Trennungsjahr scheiden lassen. Der Antragssteller muss demnach mit dem Einreichen des Scheidungsantrags warten bis die Frist von einem Jahr verstrichen ist.

Erst dann kann sein Anwalt den Antrag beim zuständigen Gericht einreichen. Eine Blitzscheidung im Härtefall kann dann vollzogen werden, wenn schwerwiegende Gründe vorliegen, die das Abwarten des Trennungsjahrs unzumutbar machen würden. Insbesondere bei häuslicher Gewalt geht man von einer besonderen Härte aus. 

Wie beweise ich den Ablauf des Trennungsjahres?

Durch den Auszug eines Ehepartners aus der gemeinsamen Ehewohnung beginnt das Trennungsjahr. Möchten die Ehepartner hingegen weiterhin zusammen in einer Ehewohnung leben, muss eine Trennung der Lebensbereiche erfolgen.

Eine gemeinsame Lebensführung muss nachweisbar ausgeschlossen  sein. Besteht beispielsweise kein beidseitiges Einvernehmen, sodass ein Ehepartner die Auflösung der ehelichen Gemeinschaft leugnet, entstehen Komplikationen. Der Richter kann zusätzlich zum Trennungsjahr auch einen Beleg für das Scheitern der Ehe fordern. Jene Verpflichtung besteht nicht, wenn die Eheleute bereits seit 3 Jahren getrennt voneinander leben. 

Lassen Sie sich einen Auszug aus der gemeinsamen Ehewohnung oder die Trennung der Lebensbereiche schriftlich von Ihrem Ehepartner bestätigen. Ebenso sollten Sie Beweise sammeln, die zeigen, dass die Ehe gescheitert ist. Lassen Sie sich diesbezüglich von einem Anwalt beraten.  

Ab wann ist eine Scheidung rechtskräftig?

Nach dem Scheidungstermin sendet das Familiengericht den geschiedenen Eheleuten einen Scheidungsbeschluss zu, welcher nach einer Frist von 1 Monat rechtskräftig ist. Innerhalb dieser Zeit haben die Ehepartner die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen. 

Welche Scheidungsgründe gibt es?

Aus rechtlicher Sicht sind die Scheidungsgründe seit 1976 irrelevant. Es zählt einzig und allein das Scheitern der Ehe, der Grund hierfür ist unbedeutend. Vor der Gesetzesänderung spielten die Scheidungsgründe für Unterhaltsansprüche eine Rolle. Eine Ehe wurde zuvor nach dem Schuldprinzip geschieden, heute gilt jedoch das Zerrüttungsprinzip.

Demnach darf eine Ehe geschieden werden, wenn sie unweigerlich gescheitert ist. Das Trennungsjahr sowie die Anhörung der Eheleute geben hierüber Aufschluss. Die Schuldfrage kann aber indirekt von Bedeutung sein, und zwar im Rahmen von Unterhalts- und Ausgleichsansprüchen, sofern der Antragsteller gewalttätig war. 

Darüber hinaus kann es auf zwischenmenschlicher Ebene verschiedene Scheidungsgründe geben, die zum Scheitern der Ehe geführt haben. Meist führt eine falsche Heiratsmotivation (Steuervorteil, Schwangerschaft), zu hohe oder falsche Erwartungen oder eine fehlende Kommunikation zum Scheitern einer Ehe.

Darüber hinaus kann Untreue, Werbemüdigkeit, Geiz, fehlender Respekt, Eifersucht, sexuelle Vernachlässigung oder der Wunsch nach einem neuen Partner zu einer Scheidung führen.

Wie hoch ist die Scheidungsquote in Deutschland?

Laut Statistik betrug die Scheidungsquote in Deutschland im Jahre 1960 nur 10,66 %, wobei die Quote im Jahr 2018 bereits auf 32,94% anstieg. Rechnerisch bedeutet dies, dass auf eine Eheschließung 0,3 Ehescheidungen kamen. Die Scheidungsquote gibt keinen Aufschluss über das Risiko einer Ehescheidung, da die Ehescheidungen immer in Relation zu den Eheschließungen im selben Jahr stehen.

Nichtsdestotrotz ist die Scheidungsquote im Jahre 2018 relativ gering, wenn man sich andere Jahrgänge betrachtet. Insbesondere das Jahr 2005 mit einer Scheidungsquote von 51,92% sticht dabei heraus, aber auch die Jahre 2010 und 2011 weisen eine hohe Quote um die 50 % auf. 

Welche Arten der Scheidung gibt es?

In Deutschland gibt es drei verschiedene Arten der Scheidung, wobei zunächst einmal zwischen der strittigen und einvernehmlichen Scheidung unterschieden wird. Darüber hinaus ist in besonderen Fällen auch eine Härtefallscheidung möglich. Die einvernehmliche und strittige Scheidung unterscheidet sich vor allem im Ablauf, der Dauer und der Kosten für die Scheidung. Wer sich im Rahmen eines strittigen Scheidungsverfahren trennt, muss mit deutlich höheren Kosten und einer längeren Dauer der Scheidung rechnen.

Was ist eine strittige Scheidung?

Bei der strittigen Scheidung sind sich die Eheleute bezüglich der Scheidung und deren Folgen uneinig. Ebenso wie bei der einvernehmlichen Scheidung muss auch bei der strittigen das Trennungsjahr eingehalten und ein Anwalt beauftragt werden. Da es sich um ein strittiges Verfahren handelt, sollten beide Ehepartner einen eigenen Anwalt engagieren, um ihre Interessen adäquat vor Gericht vertreten zu können.

Durch anhängliche Verfahren zur Klärung der Scheidungsfolgen und die Beauftragung zweier Anwälte, fallen höhere Scheidungskosten an. Darüber hinaus beläuft sich die Dauer der Scheidung meist auf mehr als 6 Monate und kann im schlimmsten Fall sogar Jahre dauern. Eine strittige Scheidung ist auch dann möglich, wenn ein Ehepartner der Scheidung nicht zustimmt.    

Was ist eine einvernehmliche Scheidung?

Bei der einvernehmlichen Scheidung sind sich die Eheleute über die Scheidung und deren Folgen (Unterhalt, Sorgerecht, Versorgungsausgleich, Vermögensaufteilung) einig. Somit müssen die Scheidungsfolgen nicht in zeitintensiven Verfahren geklärt werden, sondern können in der Scheidungsfolgenvereinbarung zwischen den Beteiligten vereinbart werden. Dies spart wiederum viel Zeit und hohe Scheidungskosten. 

Auch bei einer einvernehmlichen Scheidung muss das Trennungsjahr von 12 Monaten eingehalten und ein Anwalt engagiert werden. Allerdings kann bei einer einvernehmlichen Scheidung ein gemeinsamer Anwalt von einem Ehepartner gewählt werden, sofern der andere Ehepartner nicht eigene Interessen vertreten möchte. Die Dauer der einvernehmlichen Scheidung beläuft sich auf ungefähr 4 bis 6 Monate.  

Welche Vorteile hat eine einvernehmliche Scheidung?

Aufgrund der Tatsache, dass sich die Eheleute bezüglich der Scheidung und deren Folgen einig sind und nur ein Anwalt beauftragt werden muss, ist die einvernehmliche Scheidung um ein Vielfaches günstiger. Die getroffenen Vereinbarungen bezüglich der Scheidungsfolgen werden in der Scheidungsfolgenvereinbarung festgehalten. Wer Scheidungskosten sparen möchte, sollte eine einvernehmliche Scheidung anstreben. Darüber hinaus ist die Dauer der Scheidung kürzer und beläuft sich auf 4 bis 6 Monate. 

Was muss bei einer einvernehmlichen Scheidung geregelt werden?

Im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidung müssen in einer Scheidungsfolgenvereinbarung alle Scheidungsfolgen geklärt werden. Bei einer strittigen Scheidung werden diese in anhänglichen separaten Verfahren geregelt. Hierbei muss eine Aufteilung des Vermögens sowie der Ehewohnung und des Hausrats erfolgen. Ferner sind Sorgerecht-, Betreuungsrechts- Unterhaltsfragen zu klären. Folgende Aspekte müssen bei einer Scheidung geregelt werden: 

  • Schuldentilgung mit Berücksichtigung des Gesamtschuldenausgleichs.
  • Ehegattenunterhalt während der Trennung (Trennungsunterhalt) und nach der Scheidung (nachehelicher Unterhalt) unter Berücksichtigung der Wohnrechte. Aufhebung eines Testaments sowie des Erb- und Pflichtteilsverzicht.
  • Verbleib der Ehewohnung unter Berücksichtigung der Eigentumsrechte oder Freistellung aus dem Mietvertrag.
  • Hausratsverteilung
  • Sorgerecht und Umgangsrecht für gemeinsame Kinder.
  • Steuerfragen und Klärung der Steuerklasse.
  • Kindesunterhalt für minderjährige und volljährige Kinder.
  • Vermögensaufteilung (Immobilien, Ehewohnung, Zugewinnausgleich).
  • Versorgungsausgleich
  • Verzicht auf Zugewinnausgleich.
  • Gütertrennung

Was ist eine Härtefall Scheidung?

Durch die Härtefallscheidung können Eheleute eine Scheidung ohne Trennungsjahr vollziehen. Jedoch ist dies nur in absoluten Ausnahmen möglich und wird nur in wenigen Fällen genehmigt. Für eine Härtefallscheidung müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein.

Für den Gesetzgeber muss das Weiterbestehen der Ehe für den Antragssteller nachweisbar unzumutbar sein, d.h. eine unzumutbare Härte vorliegen. Eine Härtefallscheidung wird unter den folgenden Voraussetzungen genehmigt: 

  1. Die Ehe gilt als gescheitert: Die Ehe gilt als zerrüttet und das Fortbestehen ist nicht anzunehmen. 

2. Es liegt ein Härtefall vor, wenn das Fortbestehen der Ehe unzumutbar für den Antragssteller ist und die Gründe hierfür bei der anderen Person liegen. 

a) Eine räumliche Trennung muss vorliegen.

b) Der Grund muss immer in der Person des Ehepartners liegen.

c) Der Grund muss im Detail geschildert werden. 

Gibt es Gründe wann eine Ehe nicht geschieden werden darf?

Weigert sich ein Ehepartner die Scheidung zu akzeptieren, dann kann sich das Trennungsjahr auf 3 Jahre belaufen. Somit kann der andere Partner mit geschickter Taktik die Scheidung um mehrere Jahre verzögern. Laut BGB unterbleibt eine Scheidung ausnahmsweise, wenn ein Härtefall besteht.

Suizidgefahr wird als ernsthafter Härtefall gewertet und verzögert die Scheidung. Gründe wie ein hohes Alter, Herzkrankheiten, körperliche und seelische Belastungen oder Angst vor dem Alleinsein wurden jedoch mehrfach von Familiengerichten abgelehnt. Demzufolge ist die Härteklausel, welche eine Scheidung verhindert, in der Praxis kaum wichtig.

Doch bereits die Nichteinwilligung in die Scheidung führt zu einer Verzögerung von bis zu zwei zusätzlichen Jahren. Jedoch lässt sich die Scheidung auf diese Weise nicht bis ins Unendliche verzögern, da die Scheidung nach 3 Jahren automatisch vollziehbar ist. 

Geht Scheidung ohne Anwalt?

Da eine Scheidung immer vor einem Familiengericht vollzogen werden muss, besteht für die Eheleute Anwaltspflicht. Anders als bei erstinstanzlichen Verfahren vor einem Amtsgericht, besteht bei Ehescheidungen und Unterhaltsverhandlungen ein Anwaltszwang in Deutschland. Demzufolge kann das Scheidungsverfahren nicht ohne Anwalt für Familienrecht durchgeführt werden.

Lassen sich die Eheleute im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidung scheiden und sind sich über die Scheidungsfolgen (Unterhalt, Zugewinnausgleich, Sorgerecht) und alle Modalitäten rund um die Scheidung einig, dann können sie auch nur einen Anwalt beauftragen, um Scheidungskosten zu sparen. Bestehen Unstimmigkeiten, ist eine strittige Scheidung unausweichlich. In diesem Fall benötigen beide Ehepartner einen eigenen Anwalt, um ihre Interessen zu vertreten.

Scheidung Kosten

Die Kosten einer Scheidung können von vielen Faktoren abhängig sein. Grundsätzlich gilt, dass eine einvernehmliche Scheidung wesentlich kostengünstiger ist als eine strittige Scheidung. Außerdem ist der Ablauf der Scheidung um ein Vielfaches unkomplizierter und schneller, da die Eheleute sich über alle Scheidungsfolgen (Unterhalt, Vermögensaufteilung, Sorgerecht, Versorgungsausgleich) einig sind.  Wer einen Mittelweg finden möchte, sollte die Mediation als Alternative zur strittigen Scheidung in Betracht ziehen, um Scheidungskosten zu sparen. 

Was kostet eine Scheidung?

Wie viel eine Scheidung kostet, kann pauschal nicht beantwortet werden, da dies von vielen Faktoren abhängig sein kann. Die Kosten einer Scheidung werden vor allem davon beeinflusst welche Scheidungsfolgen geklärt werden müssen. Eine einvernehmliche Scheidung ist selbstverständlich um ein Vielfaches günstiger als eine strittige Scheidung. 

Prinzipiell hängen die Kosten einer Scheidung vom Streitwert ab, welcher sich wiederum aus dem Einkommen und Vermögen der Ehepartner ergeben. Sind beide Eheleute erwerbstätig, dann werden die Nettoeinkünfte von drei Monaten zusammengerechnet. Hinzukommt ein Zuschlag für den Versorgungsausgleich, welcher mindestens 1.000 beträgt.

Bei Personen mit geringem Einkommen beträgt der Verfahrenswert mindestens 3.000 Euro zzgl. 1.000 Euro für den Versorgungsausgleich. Beträgt der Verfahrenswert dann genau 4.000 Euro, kostet eine Scheidung mindestens 1027,50 Euro, wobei 254 Euro für Gerichtskosten und 773,50 Euro für den Anwalt anfallen.  

Kann der Antragssteller die Kosten der Scheidung nicht tragen, hat er die Möglichkeit, Verfahrenskostenhilfe und einen Verfahrenskostenvorschuss zu beantragen.

Wie hoch sind die Scheidung Gerichtskosten?

Die Berechnungsgrundlage für die Gerichts- und Anwaltskosten ist der Verfahrenswert, welcher sich aus dem Wert des Hauptsacheverfahrens, des Versorgungsausgleichs und – bei einer strittigen Scheidung – weitere Folgesachen ergibt. Demnach gilt: Je höher der Verfahrenswert, desto höher sind die Gerichtskosten für die Scheidung. 

Beispiel zur Berechnung des Verfahrenswerts: 

Der Ehemann verdient 3.000 Euro pro Monat und die Ehefrau hat einen Verdienst von 2.000 Euro pro Monat netto. Das Nettoeinkommen von 3 Monaten beider Partner ergibt einen Streitwert von: 5.000 Euro * 3 Monate = 15.000 Euro. Hinzukommen noch mindestens 1.000 Euro für den Versorgungsausgleich, was wiederum einen Streitwert von 16.000 Euro ergibt. Anhand der Gebührentabelle der Gerichtskosten für Scheidung ergibt sich eine Gebühr in Höhe von 586 Euro. 

Scheidung, wer zahlt?

Bei einem Scheidungsverfahren müssen beide Ehepartner die Gerichts- und Anwaltsgebühren tragen. Gleiches gilt für die separaten Verfahren zum Sorgerecht und Umgangsrecht. Beide Gebühren orientierten sich am Verfahrenswert und demnach am Einkommen der Ehepartner. Grundlage für die Berechnung der Anwaltskosten ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Wurde der Streitwert ermittelt, dann kann der Anwalt die Kosten in Rechnung stellen.  

Kann der Antragsteller die Kosten nicht decken, dann muss der besserverdienende bzw. wohlhabendere Ehepartner die Gebühren übernehmen. In gewissen Fällen haben die Ehepartner auch einen Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe. 

Kann man sich online scheiden lassen?

In Deutschland können Scheidungswillige eine Scheidung auch online einreichen, indem sie ein Online-Formular mit allen persönlichen Daten ausfüllen und absenden. Nichtsdestotrotz muss ein Anwalt sie vor dem Familiengericht vertreten, lediglich der Prozess der Antragstellung und die Kommunikation mit dem Anwalt kann online übermittelt werden.

Meist ist der Online-Scheidungsantrag kostenfrei möglich und kann auch per Post oder Fax verschickt werden. Der Antrag ist hiernach lediglich eine Anfrage, die von einem Anwalt bearbeitet wird. Das gesamte Scheidungsverfahren online zu vollziehen, ist nicht möglich.  

Ablauf einer Scheidung

Bevor der Scheidungsantrag eingereicht werden kann, muss das Ehepaar ein Trennungsjahr vollziehen. Das Trennungsjahr ist laut Scheidungsrecht Pflicht, um die Scheidung einreichen zu können. Je nachdem, ob es sich um einvernehmliche oder strittige Scheidung handelt, ist der Ablauf einer Scheidung anders.

Bei einer einvernehmlichen Scheidung können die Eheleute alle Scheidungsfolgen in einer Scheidungsfolgenvereinbarung klären. Bei einer strittigen Scheidung müssen diese im Rahmen Folgeverhandlungen geklärt werden. Dies führt zu einer längeren Dauer der Scheidung und höhere Scheidungskosten.

Wie ist der Scheidungsablauf?

Prinzipiell unterscheidet sich der Ablauf einer strittigen Scheidung nicht gravierend von einer einvernehmlichen Scheidung. Der wichtigste Unterschied besteht jedoch bei den Folgesachen (Unterhalt, Sorgerecht, Vermögensaufteilung) denn diese werden bei einer einvernehmlichen Scheidung bereits in einer Scheidungsfolgenvereinbarung von den Eheleuten geklärt. Das Gericht muss nur den Versorgungsausgleich entschließen. Bei der strittigen Scheidung erfolgt die Klärung im Rahmen der Gerichtsverhandlung.

Nach Ablauf des Trennungsjahrs wird durch das Einreichen des Scheidungsantrags die Scheidung eingeleitet. Da in Deutschland Anwaltspflicht vor Familiengerichten besteht, muss ein Anwalt den Antrag einreichen. Voraussetzung für die Scheidung ist das Scheitern der Ehe (Zerrüttungsprinzip). Dieses wird vermutet, wenn die Eheleute ein Jahr lang getrennt leben und beide die Scheidung beantragen bzw. ihr zustimmen. Wurden die Gerichtskosten entrichtet, dann sendet das Gericht den Scheidungsantrag an den anderen Ehegatten.

Innerhalb einer festgelegten Frist kann dieser den Antrag annehmen, ablehnen oder einen eigenen Antrag stellen. Im Anschluss daran erhalten die Eheleute auch die Formulare für den Versorgungsausgleich. Der Ablauf einer Scheidung ist ein gesetzlich geregeltes Verfahren und wird durch den richterlichen Beschluss beendet.

Das Gericht spricht den Scheidungsbeschluss in Anwesenheit der Eheleute aus. Verzichten Sie auf Rechtsmittel, ist der Beschluss sofort rechtskräftig. Verzichten Sie nicht, wird der Beschluss nach Ablauf eines Monats wirksam. 

Wie ist der Ablauf eines Scheidungstermins vor Gericht?

Der Ablauf eines Scheidungstermins vor Gericht ist relativ unkompliziert. Sobald die Rentenversicherungsträger die Rentenansprüche berechnet haben, legt das Gericht einen Scheidungstermin fest. Zu diesem Termin müssen beide Ehepartner anwesend sein. Nur bei ausreichend begründeten Ausnahmefällen darf die Scheidung ohne die gleichzeitige Anwesenheit der Eheleute erfolgen.

Sollte ein Ehepartner der Verhandlung dauerhaft nicht beiwohnen können, dann stellt das Gericht einen Richter am Wohnort des Ehegatten. Der betroffene Ehegatte wird dann per Videokonferenz zugeschaltet. 

Jeder Ehepartner kann bis Ende der Gerichtsverhandlung durch einen Anwalt weitere Anträge zum Umgangsrecht, Unterhalt, Sorgerecht oder Zugewinnausgleich stellen. Wurde vor dem Scheidungstermin eine Scheidungsfolgenvereinbarung getroffen und notariell beurkundet, dann muss während des Termins kein Vergleich mehr geschlossen werden. 

Welche Voraussetzung gibt es für eine Scheidung?

Um eine Scheidung in Deutschland vollziehen zu können, müssen die Eheleute zunächst das Trennungsjahr vollzogen haben. Erst danach kann der Scheidungsantrag von einem Anwalt eingereicht werden. Da in Deutschland Anwaltspflicht vor Familiengerichten herrscht, ist die Beauftragung eines Anwalts eine weitere Voraussetzung für die Scheidung. 

Hinsichtlich des Trennungsjahrs ist es wichtig, dass entweder ein Ehepartner aus der Ehewohnung ausgezogen ist oder eine Trennung der Lebensbereiche stattfand. Es dürfen keine Gemeinsamkeiten in den einzelnen Lebensbereichen bestehen. Eine einvernehmliche Scheidung ist nur dann möglich, wenn sich die Eheleute bezüglich der Scheidung und deren Folgen einig sind.  Weitere Voraussetzung dafür, dass eine einvernehmliche Scheidung möglich ist, sind die Scheidungsfolgen. Diese müssen zwischen den Ehegatten vorab geregelt sein. 

Wie lange dauert eine Scheidung?

Die Dauer einer Scheidung ist davon abhängig, wie die zuständigen Gerichte arbeiten, ob die Scheidung im Einvernehmen vollzogen wird und wie umfangreich die zu klärenden Scheidungsfolgen sind. Demnach kann ein Scheidungsverfahren zwischen 6 bis 12 Monaten dauern, aber auch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Allein für die Zusammentragung und Zusendung der Informationen der Versorgungsansprüche des entsprechenden Versorgungsträgers können mehrere Monate verstreichen. Wer die Dauer der Scheidung verkürzen möchte, kann diese Informationen bereits vorab beschaffen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit eines Verzichts auf Versorgungsausgleich.

Davon ist jedoch ohne ausführliche Beratung durch einen Anwalt abzuraten, da Ihnen dadurch finanzielle Benachteiligungen in Zukunft entstehen können. 

Hinweis

Sollten Sie die Dauer der Scheidung verkürzen wollen, dann können Sie – neben einem Verzicht auf Versorgungsausglich – auch auf die Klärung von Unterhaltsfragen und den Zugewinnausgleich verzichten. Ist es unvermeidlich, strittige Scheidungsfolgen zu klären, dann sollte dies in gesonderten Verfahren erfolgen.

Was ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

In einer Scheidungs­folgen­vereinbarung werden die Folgen einer Scheidung zwischen den Eheleuten geklärt. Bestenfalls geschieht dies einvernehmlich, um eine strittige Scheidung zu vermeiden. Jede strittige Folgesache, verlängert die Dauer einer Scheidung und sorgt für höhere Kosten. Zu den Folgen einer Scheidung gehören Sorgerechts- und Unterhaltsfragen sowie der Zugewinnausgleich.  

Die Inhalte der Vereinbarung sind mit denen einer Trennungs­vereinbarung nahezu identisch. Der einzige Unterschied besteht darin, dass in der Trennungs­vereinbarung der Trennungsunterhalt geregelt wird und in der Scheidungs­folgen­vereinbarung der nacheheliche Unterhalt und der Versorgungs­ausgleich. 

Was ist der Scheidung Zugewinnausgleich?

Nach deutschem Eherecht leben die Eheleute ab der Eheschließung in einer Zugewinngemeinschaft und die Gütertrennung bedarf einer gesonderten Vereinbarung. Im Rahmen einer Scheidung kommt es dann zum Zugewinnausgleich. Wird die Gütertrennung in einem Ehevertrag vereinbart, dann wird der Zugewinnausgleich bei Scheidung ausgeschlossen.  

Beim Zugewinnausgleich werden die während der Ehe erwirtschafteten Vermögenswerte der Eheleute ausgeglichen. Beim Zugewinnausgleich wird der Vermögenszuwachs beider Ehepartner bestimmt und miteinander verglichen. Hierbei ist die Differenz zwischen Anfangs- und Endvermögen relevant. 

Hat ein Ehepartner während der Ehe den Haushalt geführt und die Kindererziehung übernommen, erhält er bei Scheidung die Hälfte der während der Ehe erworbenen Vermögenswerte des anderen Ehepartners.  

Beispiel: Der Ehemann besitzt zum Zeitpunkt der Heirat 50.000 Euro. Zum Zeitpunkt der Scheidung hat er aus seiner Berufstätigkeit ein Vermögen von 100.000 Euro angesammelt. Die Ehefrau besaß zu Beginn der Ehe 1.000 Euro und zum Zeitpunkt der Scheidung 5.000 Euro.

Der Zugewinn des Ehemanns beträgt somit: 100.000 Euro – 50.000 Euro = 50.000 Euro. 
Der Zugewinn der Ehefrau beträgt: 5.000 Euro – 1.000 Euro = 4.000 Euro. 
Der Überschuss an Zugewinn beträgt: 50.000 Euro – 4.000 Euro = 46.000 Euro. 
Die Ehefrau kann vom Ehemann die Hälfte dieses Überschusses verlangen, also 23.000 Euro.

Wer bekommt bei Scheidung das Haus?

Beim Zugewinnausgleich wird auch das gemeinsame Vermögen der Eheleute berücksichtig, jedoch nur der eigene Anteil. Haben die Eheleute ein Haus im Wert von 500.000 Euro während der Ehe gekauft, dann fließen jeweils 250.000 Euro in das Endvermögen der Ehepartner ein und wird beim Zugewinnausgleich berücksichtig. So wird das gemeinsame Haus bei einer Scheidung berücksichtigt.

Hat ein Ehepartner hingegen ein Haus während der Ehe geerbt, dann fließt dieses in sein Anfangsvermögen ein und wird bei der Aufteilung nicht berücksichtigt. Es verbleibt auch nach der Scheidung in seinem Eigentum. Berücksichtigt wird jedoch eine Wertsteigerung (Zugewinn) der Immobilie, die beim Zugewinnausgleich verrechnet wird. 

Was ist bei einer Scheidung der Versorgungsausgleich?

Im sogenannten Versorgungsausgleich werden die Rentenansprüche und betriebliche Altersvorsorge der beiden Partner untereinander ausgeglichen. Sollte ein Ehepartner mehr als der andere Partner verdient haben und dadurch höhere Renten- oder Pensionsansprüche besitzen, dann muss er die Hälfte der Differenz zu den von seinem Exehepartner erworbenen Rentenansprüchen abgeben.

Diese Auszahlung erfolgt jedoch erst im Alter, sobald Rentenzahlungen fällig sind. Diesbezüglich haben die Eheleute auch die Möglichkeit, eigene Vereinbarungen zur Gestaltung der Altersversorgung bei Scheidung vorzunehmen. Hierfür muss ein Notar die Vereinbarungen in einem Ehevertrag oder in einer Scheidungsfolgenvereinbarung beurkunden oder ein Familiengericht die Vereinbarungen im Rahmen des Scheidungsverfahrens protokollieren.

Wann ist eine Scheidung beendet?

Wurden alle Scheidungsfolgen und Angelegenheiten geklärt, dann spricht das Gericht in Anwesenheit der Eheleute das Scheidungsurteil bzw. den Scheidungsbeschluss aus. Verzichten die Ehepartner danach auf Rechtsmittel, dann wird der Beschluss sofort rechtskräftig. Verzichten sie nicht darauf, ist das der Beschluss erst nach Ablauf eines Monats wirksam.

Ist es sofort rechtskräftig, dann treten alle Folgen sofort ein. Um auf Rechtsmittel verzichten zu können, benötigen Sie jedoch einen eigenen Anwalt. Allerdings kann hierfür ein anwesender Anwalt oder ein Anwalt auf dem Gerichtsflur kurz als Vertreter agieren, um den Rechtsmittelverzicht zu erklären.  

Kindesunterhalt bei Scheidung

Beim Kindesunterhalt erübrigt sich die Frage, ob ein Anspruch besteht oder nicht. Ein Kind hat immer einen Anspruch auf Unterhalt gegenüber seinen Eltern. Darüber hinaus muss Kindesunterhalt immer vorrangig gezahlt werden, d.h. bevor Ehegattenunterhalt geleistet wird. 

Wer zahlt den Kindesunterhalt?

Leben die Eltern zusammen, dann kommen sie beide für den Unterhalt sowie die Erziehung und Pflege des Kindes auf. Leben sie hingegen getrennt, dann ist das nicht betreuende Elternteil zu Unterhaltszahlungen verpflichtet. Unterhaltspflichtig ist immer der Elternteil, der nicht die Betreuung des Kindes im eigenen Haushalt übernimmt.

Ungeachtet der Lebensumstände muss der Unterhalt an das Kind gezahlt werden. Ist es noch minderjährig, dann werden die Zahlungen an seinen Vormund überwiesen. Kindesunterhalt muss auch bei Neuheirat geleistet werden, wobei eine Adoption die Unterhaltspflicht auf den Adoptivvater überträgt. Einer Adoption müssen aber zunächst beide Elternteile zustimmen, denn mit ihr fallen auch alle Rechte bezüglich des Umgangsrechts weg. 

Zahlt der unterhaltspflichtige Elternteil den Unterhalt nicht oder gerät er in Verzug, kann der andere Elternteil einen Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen. Dadurch können finanzielle Engpässe überbrückt werden.

Kindesunterhalt wie lange muss gezahlt werden?

Minderjährige Kinder sind grundsätzlich immer bedürftig, daher muss Kindesunterhalt für minderjährige Kinder immer gezahlt werden. Hierfür muss der unterhaltpflichtige Elternteil alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel aufwenden, um den Kindesunterhalt zu leisten. 

Grundsätzlich müssen volljährige Kinder bereits selbst für ihren Unterhalt sorgen können, sofern sie nicht in der Ausbildung oder im Studium sind. Gehen sie einer Schulausbildung nach, dann besteht weiterhin Unterhaltsanspruch und es gibt keine Altersgrenze. In Ausnahmefällen kann es auch passieren, dass ein Kind nach der Ausbildung Anspruch auf Unterhalt hat. 

Wie viel Unterhalt muss gezahlt werden?

Wie hoch der Kindesunterhalt ausfällt, richtet sich nach dem Alter des Kindes und dem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils und orientiert sich an den Richtlinien der Düsseldorfer Tabelle. Der unterhaltspflichtige Elternteil darf die Hälfte des Kindergeldes vom Kindesunterhalt abziehen.

Ein erwerbstätiger Unterhaltsschuldner darf pro Monat eine Summe von 1.080 Euro für sich selbst nutzen. Ist er nicht erwerbstätig, dann beträgt der Selbstbehalt 880 Euro.

Wie kann man den Unterhalt berechnen?

Den Kindesunterhalt ermittelt man anhand des Alters des Kindes und des Nettoeinkommens des unterhaltspflichtigen Elternteils. Anhand der Düsseldorfer Tabelle 2020 kann man die monatlichen Zahlungsbeträge für den Kindesunterhalt ablesen. 

Laut Düsseldorfer Tabelle hat ein Kind im Alter von 7 Jahren einen Anspruch auf 427 Euro Kindesunterhalt im Monat, wenn das unterhaltspflichtige Elternteil 2.100 Euro im Monat verdient.

NettoeinkommenAlter   ProzentBedarfs-
kontrollbetrag
0-56-1112-17ab 18
bis 1.900 €354 €406 €476 €527 €100880 € / 1.080 €
1.901 € - 2.300372 €427 €500 €554 €1051.300 €
2.301 € - 2.300 €390 €447 €524 €580 €1101.400 €
2.701 € - 3.100 €408 €467 €548 €607 €1151.500 €
3.101 € - 3.500 €425 €488 €572 €633 €1201.600 €
3.501 € - 3.900 €454 €520 €610 €675 €1281.700 €
3.901 € - 4.300 €482 €553 €648 €717 €1361.800 €
4.301 € - 4.700 €510 €585 €686 €759 €1441.900 €
4.701 € - 5.100 €539 €618 €724 €802 €152 €2.000 €
5.101 € - 5.500 €567 €650 €762 €844 €160 €2.100 €

Beispiel:

Angenommen Sie haben zwei Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren und das bereinigte Nettoeinkommen Ihres unterhaltspflichtigen Ehepartners beträgt 3.800 Euro. Demnach beträgt der Anspruch auf Kindesunterhalt laut Düsseldorfer Tabelle 2019: 454 € für das Kind im Alter von 3 Jahren und 520 € für das Kind im Alter von 6 Jahren (inklusive Kindergeldanteil). 

Trennungsunterhalt nach Scheidung

Beim Ehegattenunterhalt unterscheidet man grundsätzlich zwischen dem Trennungsunterhalt und dem nachehelichen Unterhalt. Kann ein Ehepartner sich nicht selbst unterhalten, dann steht ihm während der Trennungszeit und nach der Scheidung Ehegattenunterhalt zu.

Zahlungspflichtig ist der andere Ehepartner aber nur dann, wenn er seinen eigenen Unterhalt nicht gefährdet. Im Zusammenhang mit dem Trennungsunterhalt können auch Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit eine Rolle spielen und für einen Anspruch sorgen. 

Was ist der Trennungsunterhalt?

Der Trennungsunterhalt steht einem Ehepartner während der Trennungsphase (siehe auch Trennungsjahr bei Scheidung) bis zur Scheidung zu. Sobald die rechtskräftige Scheidung vollzogen wurde, verfällt der Anspruch auf Trennungsunterhalt, d.h. der Trennungsunterhalt kann nicht rückwirkend geltend gemacht werden.

Nach der Scheidung steht dem Ehepartner unter Umständen ein nachehelicher Unterhalt oder Trennungsunterhalt nach Scheidung zu. Der Trennungsunterhalt kann dann beantragt werden, sobald beide Ehepartner getrennt leben und ein Gatte finanzielle Unterstützung benötigt. 

Ist der andere Ehepartner leistungsfähig, wird der Trennungsunterhalt für ein Jahr gewährt. Ist ein Ehegatte nicht erwerbstätig, kann er aufgefordert werden, seinen Lebensunterhalt durch Arbeit selbst zu bestreiten. Die Pflicht besteht nicht, wenn er/sie noch nicht erwerbstätig war. Hat ein Ehegatte die Kinderbetreuung nach der Trennung übernommen, bestehen Einschränkungen bis zum 3. Lebensjahr des Kindes. Der Ehepartner kann Trennungsunterhalt beziehen, ohne arbeiten zu müssen. 

Was ist der nacheheliche Unterhalt?

Der Trennungsunterhalt wird während des Trennungsjahrs an einen unterhaltsberechtigten Ehepartner gezahlt. Grundsätzlich ist jeder Ehepartner für die Bestreitung des eigenen Lebensunterhalts selbst zuständig. 

Ist er jedoch bedürftig, muss der andere Ehepartner ihn finanziell unterstützen. Unter gewissen Voraussetzungen hat der berechtigte Ehepartner auch nach der Scheidung einen Anspruch auf Unterhalt. Diesen bezeichnet man als nachehelichen Unterhalt. Der Unterhalt muss den Lebensbedarf des Ehepartners decken, ist hinsichtlich der Höhe aber abhängig von den ehelichen Lebensverhältnissen.

Ein Anspruch auf nachehelichen Unterhalt besteht nur bei Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldner. Ferner kann der Unterhaltsschuldner einen Selbstbehalt in Höhe von 1.200 Euro für sich selbst beanspruchen. 

Wer zahlt Trennungsunterhalt?

Während der Trennungsphase besteht für einen finanziell schwächer gestellten Ehepartner ein Anspruch auf Trennungsunterhalt. Dieser wird ausschließlich während des Trennungsjahrs bis zur Scheidung gezahlt. Der Trennungsunterhalt kann dann beantragt werden, wenn beide Eheleute getrennt voneinander leben und einer der beiden finanzielle Unterstützung benötigt.

In diesem Fall muss der andere Ehepartner Trennungsunterhalt an den bedürftigen Ehepartner zahlen. Vorausgesetzt der unterhaltspflichtige Ehepartner ist leistungsfähig. Darüber hinaus kann der unterhaltsbedürftige Ehepartner auch dazu aufgefordert werden, seinen Unterhalt durch zusätzliche Erwerbstätigkeit selbst zu bestreiten.

Gleichzeitig hat der unterhaltspflichtige Ehepartner das Recht, einen Selbstbehalt von 1.200 € für sich selbst in Anspruch zu nehmen. 

Kann man den Trennungsunterhalt vertraglich ausschließen?

Oftmals wird in einem Ehevertrag ein Verzicht auf Trennungsunterhalt vereinbart. Dieser ist jedoch nichtig, selbst wenn er notariell abgeschlossen wurde. Man kann im Grunde genommen nur auf die Differenz zwischen dem bezahlten und dem nachträglich berechneten Unterhalt oder auf vergangene Ansprüche verzichtet werden. In einem Ehevertrag kann man hingegen Regelungen zur Zahlungsweise treffen oder den Unterhaltsanspruch um maximal 1/5 bis 1/3 beschränken.

Wie lange muss Trennungsunterhalt gezahlt werden?

Der Trennungsunterhalt steht dem bedürftigen Ehepartner während des Trennungsjahrs zu, wobei der Anspruch auf Trennungsunterhalt mit der rechtskräftigen Scheidung erlischt. Das Trennungsjahr beträgt 12 Monate, demnach ist dies die Mindestdauer für den Trennungsunterhalt. Da sich das Scheidungsverfahren in die Länge ziehen kann, wird bis zur rechtskräftigen Scheidung Unterhalt geleistet. 

Kann man Trennungsunterhalt rückwirkend einfordern?

Nein, der Trennungsunterhalt kann keinesfalls rückwirkend eingefordert werden. Er kann nicht rückwirkend geltend gemacht werden. Je nach individueller Situation hat ein bedürftiger Ehepartner gegebenenfalls auch nach der Trennung Anspruch auf Unterhalt haben, wobei dieser gesondert beantragt werden muss. Dieser wird als nachehelicher Unterhalt bezeichnet.

Wie beantrage ich Trennungsunterhalt?

Um einen Anspruch auf Trennungsunterhalt geltend zu machen, muss ein Antrag durch einen Anwalt gestellt werden. Durch den Antrag auf Trennungsunterhalt wird der unterhaltspflichtige Ehepartner zur Zahlung des Unterhalts aufgefordert. Da beim Aufforderungsschreiben einige formalen Aspekte berücksichtigt werden müssen, sollten Sie einen Rechtsanwalt für Familienrecht beauftragen. 

Darüber hinaus kann ein Anwalt Ihnen bei der Berechnung der Unterhaltsansprüche behilflich sein und alle notwendigen Schritte einleiten, um Ihre Ansprüche geltend zu machen.

Wie ist bei Scheidung das Sorgerecht geregelt?

Eltern befürchten oftmals, nach der Scheidung das Sorgerecht oder das Umgangsrecht für die Kinder zu verlieren. Aus rechtlicher Sicht ist ein Entzug des Sorgerechts nur bei gravierenden Gründen möglich. Das alleinige Sorgerecht muss von einem Elternteil beantragt werden und wird anschließend vom Gericht geprüft. Ist das Kindeswohl in keiner Weise gefährdet, dann bleibt das gemeinsame Sorgerecht weiterhin bestehen. 

Auch nach der Scheidung besteht weiterhin das gemeinsame Sorgerecht für beide Elternteile. Sind die Kinder bereits älter, dann sollten diese mitentscheiden können, wo sie hauptsächlich leben und wie sich der zukünftige Kontakt mit dem anderen Elternteil gestaltet. Nur wenn diese Einigung bezüglich des Aufenthaltsorts nicht möglich ist, kann jeder Ehepartner einen Antrag auf Alleinsorge vor Gericht stellen. 

Scheidung, wer bekommt die Kinder?

Bei einer Scheidung herrscht meist der Irrglaube, dass ein Ehepartner die Kinder für sich erhält. Dabei behalten beide Ehegatten das gemeinsame Sorgerecht nach der Scheidung. Nur in seltenen Ausnahmefällen kann ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragen. Doch hierfür müssen triftige Gründe vorliegen und/oder das Kindeswohl gefährdet sein.

Ist das Kind bereits volljährig, sollte es selbst entscheiden können, bei welchem Elternteil es leben möchte. Doch auch entscheidungsfähige minderjährige Kinder sollten diesbezüglich ein Mitspracherecht haben. 

Wie beantrage ich das Sorgerecht?

Mithilfe der Sorgeerklärung kann das gemeinsame Sorgerecht der Eltern außergerichtlich festgelegt werden. Hierbei handelt es sich um eine Urkunde, mit der das gemeinsame Sorgerecht rechtskräftig vereinbart wird. Um diesen Weg wählen zu können, muss die Vaterschaft anerkannt sein. Die Sorgeerklärung können Sie vor einem Notar oder dem Jugendamt abgeben. Steht dem Antrag nichts entgegen und wird das Kindeswohl nicht gefährdet, dann wird der Antrag meist schnell stattgegeben. 

Möchte nur ein Elternteil das Sorgerecht erlangen, wird es komplizierter. Doch auch hier muss ein Antrag beim Familiengericht eingereicht werden. 

Sorgerechtserklärung, was ist das?

Eine Sorgerechtserklärung wird meist auch Sorgeerklärung genannt. Hierbei handelt es sich um eine Erklärung der Kindeseltern zur gemeinsamen Sorge, sofern diese nicht miteinander verheiratet sind. Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, dann hat die Mutter zunächst das alleinige Sorgerecht. Doch selbst wenn die leiblichen Eltern nicht in einer Partnerschaft oder gemeinsam im selben Haushalt leben, kann der Vater das gemeinsame Sorgerecht beantragen.

Ist dies der Fall, dann müssen beide Eltern das Sorgerecht für das Kind mithilfe einer Willenserklärung beantragen und vor einem Notar oder dem Jugendamt beurkunden lassen. 

Was ist eine Sorgerechtsverfügung?

Verliert ein Kind das Elternteil, bei dem das Sorgerecht liegt, entscheidet das Familiengericht über den zukünftigen Sorgeberechtigten. Hierfür bestellt es einen Vormund, wobei es sich meist um einen nahen Verwandten handelt. Ab dem 14 Lebensjahr hat das Kind ein Mitspracherecht. Jüngere Kinder müssen die Entscheidung des Gerichts hinnehmen.

Daher haben Eltern oder Alleinerziehende mit alleinigem Sorgerecht die Möglichkeit eine Sorgerechtsverfügung aufzusetzen und zu regeln, wer nach dem Tod das Sorgerecht erhalten soll. Im Rahmen eines Testaments oder Erbvertrags können Sie das Sorgerecht regeln.  

Wann kann das Sorgerecht entzogen werden?

Das Sorgerecht kann einem Elternteil nur bei schwerwiegenden Gründen entzogen werden, wobei diese auch nachweisbar sein müssen. Ist das Kindeswohl durch den Umgang oder die Verhaltensweise des Elternteils gefährdet, so kann das andere Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragen. Sind die vorliegenden Gründe ausreichen, entzieht das Gericht dem anderen Elternteil das Sorgerecht. Die Gründe für einen Entzug des Sorgerechts können Gewalttätigkeit, Vernachlässigung der Fürsorge oder ein unangemessener Lebensstil des Elternteils sein.   

Gründe für den Entzug des Sorgerechts können sein

  • Gewalt und Misshandlung des Kindes.
  • Allgemeine Kindeswohlgefährdung.
  • Verweigerung einer notwendigen medizinischen Behandlung.
  • Veränderung der Lebensumstände.
  • Vernachlässigung der Sorgepflicht.
  • Auf expliziten Wunsch des mündigen und einsichtigen Kindes.
  • Sektenzugehörigkeit, die das Wohl des Kindes gefährdet.
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch eines oder beider Elternteile.

Was sind die Scheidungsfolgen bei der Scheidung?

Da eine Scheidung unterschiedliche Bereiche Ihres Lebens beeinflusst, müssen mehrere Folgen einer Scheidung geklärt werden. Schaffen Sie es die Scheidungsfolgen selbst oder teilweise mithilfe eines Rechtsanwalts für Familienrecht zu regeln, dann sparen Sie Scheidungskosten. Die folgenden Scheidungsfolgen sollte Sie unbedingt mit Ihrem Exehepartner regeln: 

  • Aufteilung der gemeinsamen Ehewohnung oder die Übertragung von Immobilien
  • Den Ehegattenunterhalt: Trennungsunterhalt und nachehelichen Unterhalt
  • Die Vermögensaufteilung
  • Die Aufteilung des Hausrats
  • Die Bankverbindlichkeiten 
  • Das Sorgerecht und Umgangsrecht der gemeinsamen Kinder
  • Den Zugewinnausgleich
  • Den Versorgungsausgleich

Die Scheidungsfolgen werden in einer notariellen Scheidungsfolgenvereinbarung schriftlich festgehalten. 

Scheidung, was bekommt die Frau?

Hat die Ehefrau Anspruch auf Ehegattenunterhalt, muss der Ehemann während des Trennungsjahrs und möglicherweise auch nach der Scheidung Unterhalt leisten. Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle bzw. den unterhaltsrechtlichen Leitlinien der Familiengerichte. Die Ehefrau bekommt in diesem Fall 3/7 bzw. 45% des bereinigten Nettoeinkommens aus der Erwerbstätigkeit des Mannes, sofern sie nicht selbst erwerbstätig ist.

Ist die Ehefrau hingegen erwerbstätig, dann erhält sie 3/7 bzw. 45% aus der Differenz des bereinigten Nettoeinkommens ihres Ehemanns und ihrem eigenen Nettoeinkommen. Hat die Ehefrau eigene Einkünfte, dann ist der Unterhaltsanspruch generell geringer. Aus den anderen Einkünften des Ehemanns erhält sie die Hälfte. Die Leistungsfähigkeit des Mannes ist gleichzeitig die Begrenzung der Unterhaltshöhe für die Frau. Er hat einen Anspruch auf 1.200 Euro Selbstbehalt. 

Muss ich meinen Namen nach der Scheidung ändern?

Eine Namensänderung nach Scheidung ist nicht Pflicht. Man muss seinen Namen nach der Scheidung nicht zwangsläufig ändern, sondern kann entweder den zuvor getragenen Nachnamen oder Geburtsnamen annehmen oder den gemeinsamen Ehenamen behalten. Das ist den Eheleuten selbst überlassen, welchen Namen sie nach der Scheidung tragen möchten.

Bei den Kindern ist der Geburtsname unveränderlich und kann nur bei Eheschließung oder Wahl eines gemeinsamen Ehenamens geändert werden. Entschließt sich das sorgeberechtigte Elternteil nach der Scheidung eine neue Ehe einzugehen und den neuen Namen zu wählen, kann die Änderung des Nachnamens des Kindes nur durch Einwilligung des anderen Elternteils erfolgen.  

Was passiert mit der Krankenversicherung nach der Scheidung?

Neben Scheidungsfolgen, individuellen Vereinbarungen und vom Gericht getroffenen Regelungen sollte auch weitere Punkte beachtet werden, die nach der Scheidung wichtig sind. Hierzu zählt vor allem der unter Umständen wegfallende Krankenversicherungsschutz.

Während der Ehe ist ein nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ehepartner über den anderen Ehegatten beitragsfrei mitversichert. Durch die rechtskräftige Scheidung endet dieser Versicherungsschutz, sodass der geschiedene zuvor mitversicherte Partner sich nun selbst versichern muss. Der Aufnahmeantrag muss innerhalb von 3 Monaten nach Rechtskraft der Scheidung erfolgen. 

Die Kosten der jeweiligen Krankenversicherung gehören als Krankenvorsorgeunterhalt zum Unterhalt und können zusätzlich neben dem nachehelichen Unterhalt verlangt werden. 

Gütertrennung, wer bekommt was?

Wer was bekommt, ist abhängig vom Güterstand und ob ein Ehevertrag abgeschlossen wurde. Die Eheleute können sich durch individuelle Vereinbarungen im Güterstand der Gütertrennung oder der Gütergemeinschaft befinden.

Liegt kein Ehevertrag vor, herrscht für die Ehepartner der Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Dies heißt, dass im Falle einer Scheidung ein Zugewinnausgleich stattfindet. Während der Ehe verwalten beide Ehegatten ihr Vermögen selbst, doch zum Zeitpunkt der Scheidung werden die Vermögenswerte der beiden Ehepartner ausgeglichen. 

Bei der Gütertrennung verfügt jeder Partner sowohl während der Ehezeit als auch nach der Scheidung eigenmächtig über sein eigenes Vermögen. Bei einer Scheidung behält jeder Ehegatte das, was er selbst während der Ehe erwirtschaftet hat.  

Was passiert bei Scheidung mit der Rente?

Nach dem Familienrecht regelt der Versorgungsausgleich die Rente bzw. Rentenansprüche, welche das Ehepaar während der Ehe erworben haben und gleicht diese bei einer Scheidung unter den Ehegatten aus. Haben die Eheleute weder durch einen Ehevertrag noch durch eine Scheidungsfolgenvereinbarung einen Verzicht auf Versorgungsausgleich vereinbart, wird der Ausgleich automatisch vom Familiengericht vorgenommen.

Mithilfe des Versorgungsausgleichs werden die Rentenansprüche beider Ehegatten berechnet, verglichen und ausgeglichen. Der Ehegatte, der mehr Ansprüche erworben hat, muss die Hälfte seiner Ansprüche an den anderen Ehegatten abgeben. Ansprüche für den Versorgungsausgleich bei Scheidung bestehen ab dem 1. Tag des Monats der Eheschließung und enden am letzten Tag des Monats vor der Zustellung des Scheidungsantrags.  

Wer haftet für gemeinsam gemachte Schulden?

Haben beide Ehepartner Schulden und einen gemeinsamen Kreditvertrag unterschrieben, haften sie beide gemeinsam für die Rückzahlungen. Demnach kann sich die Bank an beide Ehepartner wenden und die Raten einfordern. Reicht das Einkommen nach der Trennung nicht mehr für die Tilgung aus und ist eine Reduzierung nicht möglich, dann sollten Sie einen Termin bei einem Anwalt oder einer Schulden- und Insolvenzberatungsstelle vereinbaren. 

Scheidung ohne Ehevertrag, was passiert?

Durch einen Ehevertrag haben die Eheleute die Möglichkeit individuelle Vereinbarungen zu Unterhaltsregelungen, Regelungen des Güterstands (Gütertrennung, Gütergemeinschaft) sowie Regelungen zum Versorgungsausgleich zu treffen.

Ohne Ehevertrag gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft und im Falle einer Scheidung erfolgt ein Zugewinnausgleich. Hierbei wird der Zugewinn geteilt. Der Ehevertrag dient zu einer individuellen Regelung des Güterstands. 

Ist ein Ehepartner allerdings vermögender als der andere Partner und herrschen unterschiedliche Vermögensverhältnisse, dann spricht man von einer Diskrepanzehe. Ohne Ehevertrag kann sich das Vermögen im Scheidungsfall reduziert. 

Redakteurin
Edwina Engelmann

Edwina ist Teil unserer Online Redaktion. Sie gibt leicht verständliche & hilfreiche Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Familienrecht & Scheidungsrecht.

Juristische Prüfung
Juristin Marieke Stöcker-Pritz
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