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Strittige Scheidung – Ablauf, Dauer und Kosten

  • Redaktion Familienrechtsinfo.de
Ehepaar in Trennung sitz mit verschränkten Armen nebeneinander
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Nicht immer besteht Einigkeit zwischen den Ehegatten, sodass eine strittige Scheidung oder streitige Scheidung meist unumgänglich ist. Müssen Folgesachen bei der Scheidung (Unterhalt, Sorgerecht, Versorgungsausgleich) geklärt werden, stellt sich schnell die Frage, wie lange sich eine Scheidung hinziehen kann, wie hoch die Kosten für eine nicht einvernehmliche Scheidung sind und was man alles für eine Scheidung braucht. 

Wie viel eine Scheidung in Deutschland kostet, hängt von den zu klärenden Scheidungsfolgen und dem Streitwert ab. Es steht jedoch außer Frage, dass die Kosten einer strittigen Scheidung wesentlich höher als bei der einvernehmlichen Scheidung sind. Im folgenden Artikel erläutern wir Ihnen, wie eine Scheidung funktioniert und geben Ihnen detaillierte Informationen zum Ablauf, der Dauer und den Kosten einer Scheidung.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Sowohl bei der strittigen als auch bei der einvernehmlichen Scheidung besteht Anwaltspflicht, jedoch müssen bei einer strittigen Scheidung zwei Anwälte beauftragt werden.
  • Durch die Beauftragung zweier Anwälte für Familienrecht entstehen höhere Kosten für die strittige Scheidung.
  • Die Dauer der strittigen Scheidung ist wesentlich länger als bei der einvernehmlichen Scheidung.
  • Eine strittige Scheidung ist auch möglich, wenn ein Partner der Scheidung nicht zustimmt.
  • Je nach individueller Ausgangslage sind ein bis drei Trennungsjahre bei der Scheidung vorgesehen. Die Scheidung kann nach 3 Jahren automatisch vollzogen werden.
  • Die Kosten der strittigen Scheidung sind abhängig von der Anzahl der an das Gericht abgegebenen Folgesachen.

Ist eine strittige Scheidung notwendig?

Eine Scheidung kann für die Ehegatten eine Belastungsprobe sein, daher stellt sich für einige die Frage „Ist eine strittige Scheidung notwendig?“. Insbesondere dann, wenn Folgesachen in anhängigen Verfahren geklärt werden müssen oder ein Ehegatte sich nicht scheiden lassen möchte. In diesem Zusammenhang spricht man von einer strittigen oder streitigen Scheidung.

Um die Kosten der strittigen Scheidung so gering wie möglich zu halten, sollten die Eheleute eine schriftliche Einigung für den Großteil der Scheidungsfolgen finden. Diese Vereinbarungen werden in der Scheidungs­folgen­vereinbarung festgehalten. Je weniger Folgesachen (Sorgerecht, Zugewinnausgleich, Vermögensaufteilung, Ehewohnung, Unterhalt) an das Gericht abgegeben werden, desto niedriger sind die Kosten der strittigen Scheidung.

Mediation als Alternative

Eine Trennung bzw. Scheidung kann für alle Beteiligten emotional belastend, finanziell kostspielig, zeitintensiv und anstrengend sein. Insbesondere für Kinder ist das Scheidungsverfahren eine Belastungsprobe, die nicht unbedingt spurlos an ihnen vorbeigeht. Besteht eine kompromissbereite Gesprächsbasis, dann ist die Mediation als Alternative empfehlenswert. 

Lassen Sie sich frühzeitig von einem Mediator beraten, um die angespannte Situation rechtzeitig zu entschärfen. Eine möglichst zeitnahe Beratung kann zukünftige Konflikte unterbinden und bietet den Betroffenen Raum für eine erfolgreiche Konfliktbewältigung. Ein Rechtsanwalt für Familienrecht oder Mediator ist Ihnen bei außergerichtlichen Einigungen mit Ihrem Ehepartner behilflich und hält diese in einer Scheidungs­folgen­vereinbarung fest.

Achtung!

Können sich die Eheleute nicht im Rahmen einer Mediation über die Scheidungsfolgen einigen oder besteht keine Gesprächsbasis zwischen den Eheleuten, ist die strittige Scheidung unumgänglich. Bedenken Sie dabei bitte, dass die Kosten der nicht einvernehmlichen Scheidung bedenklich hoch sein können.

Voraussetzungen für die Scheidung nach BGB

Gründe für eine strittige Scheidung muss es nicht geben, doch laut Gesetzgeber muss die Ehe gescheitert sein, bevor diese geschieden werden kann. Demnach ist ein einjähriges Getrenntleben der Eheleute gemäß BGB Voraussetzung für eine Scheidung. Leben die Ehepartner seit mindestens einem Jahr getrennt voneinander, geht man davon aus, dass die Ehe zerrüttet ist. 

Nach einjähriger Trennung ist die streitige Scheidung in Deutschland möglich, sodass die Eheleute die Scheidung einreichen können. Möchte ein Ehegatte die Scheidung nicht, dann kann die Scheidung nach 3 Jahren automatisch gegen dessen Willen geschieden werden. Unter gewissen Voraussetzungen ist die Scheidung nach BGB auch ohne Zustimmung des Ehepartners bereits nach einem Trennungsjahr möglich, sofern die Ehe als zerrüttet gilt. Die folgenden Punkte können Indiz dafür sein, dass die Ehe zerrüttet ist:

  • Der Antragsteller hat die unumstößliche Intention, die Scheidung zu vollziehen.
  • Jede Möglichkeit einer Versöhnung muss durch den Antragssteller ausgeschlossen werden.
  • Es besteht keine Kommunikation mehr zwischen den Ehegatten und sie haben keinen Geschlechtsverkehr mehr miteinander.
  • Antragsgegner oder Antragssteller führen bereits eine neue Beziehung und befinden sich in einer festen Partnerschaft.
  • Es liegt ein Nachweis darüber vor, dass die Charaktere, Lebenseinstellungen und Zukunftsplanungen der Ehegatten nicht zueinander passen.
Hinweis

Das Gericht prüft, ob die Scheidung nach den Voraussetzungen des BGBs früher geschieden werden kann. Dabei kann es vorkommen, dass das Familiengericht der streitigen Scheidung nach einjähriger Trennung nicht zustimmt. Dann wird der Scheidungsantrag zunächst abgewiesen. Lassen Sie einen Rechtsanwalt für Familienrecht prüfen, inwieweit eine strittige Scheidung möglich ist.

Blitzscheidung im Härtefall

Bei einigen Ausnahmen kann eine Blitzscheidung im Härtefall vollzogen werden. Hierbei entfällt das ein- oder dreijähriges Trennungsjahr bei der Scheidung, sodass diese sofort möglich ist. Eine Blitzscheidung ist aber nur bei schwerwiegenden Gründen möglich, bei denen das Abwarten des Trennungsjahrs für die Scheidung unzumutbar wäre. Dies ist beispielsweise bei häuslicher Gewalt möglich oder bei Schwangerschaft der Ehefrau durch einen anderen Mann.

Streitige Scheidung und Folgesachen

Nach dem Trennungsjahr kann die Scheidung erfolgen, wobei der Versorgungsausgleich von Amts wegen durchgeführt wird. Beim Versorgungsausgleich der Scheidung handelt es sich um den Ausgleich der während der Ehe erworbenen Rentenansprüche beider Ehepartner. Neben dem Versorgungsausgleich müssen bei einer Scheidung weitere Folgesachen geklärt werden. Inbegriffen sind hierbei die folgenden Aspekte:

Um die obigen Angelegenheiten in eigenen Verhandlungen klären zu können, sind separate Anträge durch die Anwälte notwendig. Meist werden die Anträge im Scheidungsverfahren gestellt und mit dem laufenden Verfahren verbunden (Verbundverfahren). Bei Bedarf können diese Aspekte aber auch außerhalb des Verbundverfahrens geregelt werden. In den meisten Fällen geschieht dies, wenn einige Fragen sehr spät aufkommen, sodass die Frist für die Beantragung im Verbund abgelaufen ist.

Achtung!

Folgesachen müssen spätestens 2 Wochen vor der mündlichen Verhandlung der Scheidung beantragt werden, um im Verbund verhandelt zu werden. Klären Sie bestenfalls frühzeitig mit einem Rechtsanwalt für Familienrecht, welche Ansprüche Sie bereits im Verbundverfahren als Folgesachen abklären müssen. Nur so kann gewährleistet werden, dass Sie die notwendigen Anträge rechtzeitig und spätestens 2 Wochen vor der mündlichen Anhörung der Scheidung einreichen.

Unterhalt bei der strittigen Scheidung

Einer der häufigsten Streitpunkte einer streitigen Scheidung ist der Unterhalt. Dabei geht es einerseits um die finanzielle Absicherung der Kinder in Form von Kindesunterhalt, aber auch um den Trennungsunterhalt und den nachehelichen Unterhalt für Ehegatten. Insbesondere wenn durch die Kindererziehung ein großes Verdienstgefälle zwischen den Ehegatten besteht, gibt es Konflikte.

Im Rahmen des Scheidungsverfahrens müssen dabei folgende Aspekte geklärt werden:

  • Ansprüche auf Ehegattenunterhalt (Trennungsunterhalt bis zur Scheidung, nachehelicher Unterhalt).
  • Kindesunterhalt: Dieser steht bedürftigen minderjährigen Kindern und unterhaltsberechtigten Volljährigen zu. Der nicht betreuende Elternteil zahlt Alimente.

Sorgerecht nach der Scheidung

Ein weiterer Streitpunkt der Scheidung ist das Sorgerecht für gemeinsame Kinder. In diesem Zusammenhang müssen die folgenden Punkte geklärt werden:

  • Alleiniges oder gemeinsames Sorgerecht: Soll das Sorgerecht beiden oder nur einem Elternteil zugesprochen werden?
  • Aufenthaltsort der Kinder (ggf. alleiniges Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragen).
  • Umgangsrecht: Besuchs- und Kontaktrecht für die Kinder.

Vermögensaufteilung und Gütertrennung

Besonders schwierig wird es meist auch bei der Vermögensaufteilung. Je besser der Scheidungsanwalt, desto besser das Ergebnis für den Mandanten. In einigen Fällen kann es hier um beachtliche Vermögensummen gehen, die nur durch einen Anwalt für Familienrecht geltend gemacht werden konnten. Liegt hingegen ein Ehevertrag vor, dann muss die vermögensrechtliche Auseinandersetzung nicht mehr im Scheidungsverfahren geklärt werden. 

In diesem Zusammenhang spielt die Gütertrennung eine entscheidende Rolle. Per Gesetz gilt grundsätzlich der Zugewinnausgleich, d.h. der Ausgleich des während der aufrechten Ehe erwirtschafteten Vermögens bei Zugewinngemeinschaft. Wurden individuelle Vereinbarungen im Rahmen eines Ehevertrags getroffen, dann sind diese zu beachten.

Bei der Vermögensaufteilung sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Vermögensaufteilung bei Gütertrennung und vorliegender Ehevertrag
  • Vermögensaufteilung des gemeinsam erworbenen Vermögens (Ehewohnung, Hausrat)
  • Gemeinsame Schulden der Eheleute.

Dauer einer strittigen Scheidung

Der Rechtsstreit zwischen den Eheleuten geht bis zum Ende des Scheidungsverfahrens. Die Dauer einer strittigen Scheidung wird demzufolge von der Anzahl der Folgesachen und Einigung der Eheleute beeinflusst. Das Verfahren läuft solange, bis das Gericht eine Entscheidung fällt. Im schlimmsten Fall kann diese Entscheidung Jahre dauern.  

Bis zum Urteil bleibt die Ehe weiterhin bestehen und die Scheidung erfolgt erst dann, wenn das Gericht seine Entscheidung über die Scheidungsfolgensache getroffen hat. Nicht selten gilt es auch als Taktik, um eine Scheidung zu verzögern.  Besonders Unterhaltsforderungen oder die Vermögensaufteilung kann das Verfahren unnötig – sei es ungewollt oder gewollt – in die Länge ziehen.

Scheidungsfolgesachen vom Scheidungsverfahren abtrennen

Geht ein Scheidungsverfahren an einem gewissen Punkt nicht weiter, gibt es die Möglichkeit, die Scheidungsfolgesachen vom Scheidungsverfahren abzutrennen. Dies geht aber nur, wenn beide Eheleute zustimmen. Allerdings ist dies nicht bei allen Folgesachen ratsam, da dadurch Ansprüche verloren gehen können. 

Stimmt ein unterhaltsberechtigter Ehepartner einer Abtrennung der Folgesache zu und wird geschieden, erlischt der Anspruch auf Trennungsunterhalt. Zwar wird der Anspruch in einen nachehelichen Unterhalt übertragen, jedoch nur, wenn hierfür Anspruch besteht.

Kosten einer strittigen Scheidung

Die Kosten einer strittigen Scheidung sind um ein Vielfaches höher als bei einer einvernehmlichen Scheidung. Grundsätzlich regelt das Familiengericht lediglich die Hauptangelegenheit und den Versorgungsausgleich. Die Folgesachen müssen nicht zwingendermaßen in einer gerichtlichen Verhandlung geklärt werden.

Aus diesem Grund sind die Kosten für eine strittige Scheidung in Deutschland höher. Je mehr Folgesachen ein Ehepaar im Verbundverfahren regeln möchte, desto höher ist der Verfahrenswert. Nach dem Verfahrenswert berechnen sich die Anwalts- und Gerichtskosten. Da der Antragsgegner bei einer streitigen Scheidung einen eigenen Rechtsbeistand benötigt, erhöhen sich die Kosten für die Scheidung.

Der Verfahrenswert ist abhängig vom Einkommen und dem Vermögen der Eheleute. Der Verfahrenswert errechnet sich aus dem monatlichen Nettoeinkommen der beiden Ehegatten und wird verdreifacht.

Beispiel:

Die Ehefrau verdient 4.500 Euro netto, der Ehemann 3.500 Euro. Der Streitwert beträgt damit 24.000 Euro (4.500 Euro + 3.500 Euro = 8.000 Euro x 3 = 24.000 Euro). Diesem Wert werden noch 10% für den Versorgungsausgleich je Rentenanwartschaft hinzugerechnet.

Dem Verfahrenswert der Scheidung werden die Kosten für die Folgesachen der Scheidung hinzugefügt. Daraus ergibt sich ein Gesamtwert von 31.800 Euro, wenn der Verfahrenswert für die Scheidung 24.000 Euro, die Folgesache Sorgerecht 3.000 Euro und der Versorgungsausgleich für 2 Renten 4.800 Euro beträgt.

Da die Folgesachen einer Scheidung sehr kostspielig sein können, empfiehlt es sich, diese im Verbund klären zu lassen. Somit werden die einzelnen Gegenstandswerte zusammengerechnet und die Kosten für die Scheidung niedriger gehalten. Werden einige Folgesachen nicht im Verbund geklärt, dann muss derjenige, der in den einzelnen Verfahren unterliegt, die gesamten Kosten des Verfahrens tragen.

Ablauf einer strittigen Scheidung

Im Grunde genommen ist der Ablauf einer strittigen Scheidung dem Ablauf einer einvernehmlichen Scheidung sehr ähnlich. Nachdem der Scheidungsantrag durch den Scheidungsanwalt beim zuständigen Gericht eingereicht wurde, sendet das Gericht dem Antraggegner den Bescheid zu. Dieser kann entweder ablehnen oder zustimmen.  

Sowohl bei der einvernehmlichen als auch bei der streitigen Scheidung muss die Scheidung nach einjähriger Trennung eingereicht werden. Wird der Scheidungsantrag vor Ablauf des Trennungsjahrs gestellt, werden die Folgesachen der Scheidung möglicherweise erst später ausgelöst.

Sobald das Gericht den Antrag erhalten hat und den Versorgungsausgleich mit den zuständigen Rentenversicherungsträgern geklärt hat, legt es den Scheidungstermin zur mündlichen Anhörung der Scheidung fest. Müssen Sorgerechtsfragen geklärt werden, wird das Jugendamt beauftragt, um die Familiensituation zu klären.

Eine Scheidung ohne Anwesenheit vor Gericht ist nicht möglich, denn grundsätzlich müssen beide Ehegatten persönlich vor Gericht erscheinen. Am Ende der Verhandlung verkündet das Gericht den Scheidungsbeschluss. Möchten die Eheleute weitere Folgesachen mithilfe des Familiengerichts klären, so wird ein weiterer Gerichtstermin verkündet. Wurden die Anträge für die Folgesachen spätestens zwei Wochen vor dem Termin der mündlichen Verhandlung der Scheidung eingereicht, werden die Folgesachen im Verbundverfahren zusammen mit dem Scheidungsverfahren verhandelt.

In dieses Verbundverfahren fallen meist folgende Angelegenheiten:

  • Kindesunterhalt
  • Nachehelicher Unterhalt
  • Zugewinnausgleich
  • Ehewohnung
  • Hausratsaufteilung
  • Übertragung des Sorgerechts für die Kinder
  • Umgangs- und Kontaktrecht

Ablauf der einvernehmlichen Scheidung im Überblick

  1. Scheidungsantrag einreichen: Nach Ablauf des Trennungsjahrs reicht der Anwalt den Scheidungsantrag beim zuständigen Familiengericht ein.
  2. Zustellung des Scheidungsantrags an den anderen Ehegatten. Hat der Antragssteller die Gerichtsgebühr bezahlt, stellt das zuständige Gericht dem anderen Ehegatten den Antrag zu. Willigt der Ehegatte ein, kann die Scheidung einvernehmlich vollzogen werden, lehnt er ab, erfolgt ein strittiges Verfahren.
  3. Versorgungsausgleich: Das zuständige Gericht sendet den Ehegatten die notwendigen Formulare für den Versorgungsausgleich. Diese müssen ausgefüllt an das Gericht zurückgesendet werden.
  4. Festlegung des Gerichtstermins. Nach Einsicht der Unterlagen legt das Familiengericht einen Scheidungstermin zur mündlichen Anhörung der Scheidung fest.
  5. Durchführung des Scheidungstermins: Beide Ehegatten müssen persönlich vor Gericht erscheinen, denn eine Scheidung ohne Anwesenheit vor Gericht ist nicht möglich. Die Scheidung wird am festgelegten Tag durchgeführt und der Richter verkündet das Scheidungsurteil. Müssen Folgesachen der Scheidung geklärt werden, wird ein weiterer Gerichtstermin festgelegt.

Taktik - Strittige Scheidung verzögern

Theoretisch ist es möglich, mit einer gewissen Taktik die strittige Scheidung zu verzögern – und dies sogar um mehrere Jahre. Um mit geschickter Taktik eine Scheidung zu verzögern, muss theoretisch ein Härtefall vorliegen. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) unterbleibt die Scheidung ausnahmsweise, wenn ein Härtefall besteht. 

Als Härtefall gilt meist ein ernsthafter Suizidgefahr eines Ehegatten. Allerdings wurden Gründe wie ein sehr hohes Alter, Herzkrankheiten, körperliche und seelische Belastungen oder Angst vor dem Alleinsein von einigen Familiengerichten bereits abgewiesen. Daher ist die Härteklausel in der Praxis kaum relevant und verzögert nur selten eine Scheidung.

Allerdings bedarf es nicht unbedingt einer gewieften Taktik, um die Scheidung zu verzögern. Bereits die Nicht-Einwilligung eines Ehepartners kann die Scheidung bis zu zwei zusätzlichen Jahren verzögern. Doch diese Verzögerung lässt sich nicht unendlich in die Länge ziehen, da die Scheidung nach 3 Jahren automatisch vollziehbar ist. Ebenso können alle an das Familiengericht abgegebenen Folgesachen den Ablauf der Scheidung verkomplizieren und das Scheidungsverfahren verzögern.

Tipps für eine gute Taktik, um die strittige Scheidung zu verzögern:

  • Beim Scheidungstermin einen Auskunftsantrag in den Folgesachen zum Zugewinnausgleich oder Unterhalt stellen oder als Auskunftspflichtiger die Auskunft verzögern.
  • Formulare für den Versorgungsausgleich später bearbeiten.
  • Nicht zum Scheidungstermin erscheinen und sich krankschreiben lassen.
  • Für das Zugewinnausgleichsverfahren Gutachten zur Ermittlung der Vermögenswerte einholen (Grundstücke, Immobilien, Unternehmen).
  • Widerspruch gegen den Scheidungsbeschluss oder die Folgesachen einlegen.

Warum man mit einer überlegten Taktik die Scheidung verzögern sollte

Doch warum sollte man mit einer überlegten Taktik die Scheidung verzögern wollen? Insbesondere finanzielle Vorteile können eine Verzögerung lukrativ für einen Ehepartner machen. Vorteile gibt es vor allem im Zusammenhang mit Unterhaltsfragen und beim Versorgungsausgleich sowie dem Zugewinnausgleich. Ein beliebter Grund für eine Verzögerung ist der Trennungsunterhalt, denn es ist ungewiss, ob nach der Scheidung ein Unterhaltsanspruch besteht. Daher versuchen unterhaltsberechtigte Ehepartner meist, den Zeitraum bestmöglich zu strecken.

Darüber hinaus müssen Ehegatten von Beamten mit hohen privaten Krankenkassenbeiträgen rechnen und verlieren gleichzeitig ihren Anspruch auf Beihilfe. Demgegenüber verlieren Ehepartner von gesetzlich Versicherten die bislang kostenlose Mitversicherung durch den Ehepartner und müssen ab dem Scheidungsurteil allein für ihre Krankenkassenbeiträge aufkommen. 

Ob Sie eine Taktik zum Verzögern der Scheidung anwenden könnten oder nicht, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Anwalt für Familienrecht besprechen. Er klärt Sie darüber auf, ob die Vorgehensweise sinnvoll und erfolgsversprechend erscheint, und ob es sich finanziell auszahlt.

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